Müll – ist das Kunst oder wer macht’s weg?!

Vor ein paar Wochen sind wir in Kayaks auf dem Landwehrkanal unterwegs gewesen. Nicht zum Entspannen, sondern zum Müll sammeln. Plastikflaschen, Einkaufstüten, Brot und sogar eine ganze 240-Liter-Mülltonne. Auf dem Marheinke-Platz, unserm wunderschönen Kiez-Platz fanden sich zudem Glasscherben, Pizzakartons, Kaugummiflecken und unendlich viele Zigarettenstummel auf dem Boden. Das war keine Einzelaktion, sondern Teil unserer grünen Aktionswoche gegen Müll. Wir Grüne in Friedrichshain-Kreuzberg haben in dieser Woche insgesamt 121 Kilogramm an Müll aufgesammelt, mehr als jeder andere Bezirk. Darauf können wir stolz sein, aber es zeigt auch, wie viel Müll auf unseren Straßen liegt.

Die Zahlen sind erschreckend

Zu dem Thema habe ich auch eine parlamentarische Anfrage gestellt mit 43 Fragen zum Thema Müll in Kreuzberg. Die Antworten sind bemerkenswert. Und beängstigend.

13.333 Meldungen gingen in nur sechs Monaten über die Ordnungsamts-App ein (Januar bis Juni 2026). Das entspricht einer Meldung alle 15 Minuten. Und weißt du, wie viele Leute diese Meldungen abarbeiten? Vier. Vier Mitarbeitende für einen ganzen Bezirk. Deshalb muss der Senat den Bezirken endlich mehr Geld für Personal zur Verfügung stellen.

200.000 Meldungen waren es im Jahr 2025 über alle Berliner Ordnungsämter. Das ist ein Rekord. Und weißt du, was das kostet? 13,1 Millionen Euro jährlich, nur für die Entsorgung illegalen Mülls.

Auch nicht vergessen dürfen wir die Glascontainer: Seit Anfang 2026 gingen 100 Meldungen zu überfüllten, nicht geleerten Altglascontainern ein. Die Menschen sind frustriert. Sie wollen ihre Abfälle richtig entsorgen und können es nicht. Und was sagt der Senat dazu? Er, könne der privaten Abfallentsorgung keine Vorschriften machen. Diese sind gesetzlich dazu verpflichtet, den Glasmüll abzuholen. Tun sie es nicht ist es dem Senat aber auch egal.

Warum? Weil wir nur die Symptome behandeln und nicht die Ursachen.

Das grüne Maßnahmenpaket: Endlich eine echte Antwort

Als Grüne Fraktion haben wir letzte Woche unser Maßnahmenpaket für ein sauberes Berlin vorgestellt:

1. Kostenloser Sperrmüll für alle: Das bedeutet jeder Haushalt bekommt jährlich eine kostenlose Sperrmüllabholung. Klingt teuer? Nein,es spart Geld. Weil die Menschen ihren Müll nicht mehr illegal entsorgen müssen und die BSR nicht mehr 13,1 Millionen Euro für illegale Entsorgungen ausgeben muss.

2. Eine starke BSR: Die BSR soll in allen Kiezen mehr Parks und Straßen reinigen. Und wichtiger noch: Sie sollen selbst illegalen Müll dokumentieren und direkt beseitigen dürfen, ohne komplizierte Anmeldeverfahren und Zuständigkeits-Ping-Pong.

3. Hotspots gezielt säubern: Nicht nur die öffentlichen Straßen, sondern auch Supermarktparkplätze und andere Privatgrundstücke, die häufig massiv vermüllt sind. Die Zuständigkeiten müssen sich der Lebensrealität anpassen. Wenn der Gehweg der Stadt gehört, die Wiese daneben aber Privateigentum ist, ist es nicht logisch, dass die BSR nur den Gehweg sauber macht aber den Müll auf der Wiese liegen lässt. Kommt eine Stunde später der Wind, ist der ganze Dreck sowieso wieder auf dem Gehweg.

4. Die Verpackungssteuer: Das Thema, bei dem der Senat Angst bekommt, wir in Friedrichshain-Kreuzberg fordern dies aber schon lange. Die Zahlen sind eindeutig: Tübingen hat im Jahr 2022 eine Verpackungssteuer eingeführt und die Vermüllung ist dauraufhin drastisch gesunken. Die Stadt nimmt damit Geld ein welches direkt in Stadtsauberkeit fließt. Für Berlin könnten das 40 Millionen Euro jährlich sein. Der Senat hat sich jedoch dagegen ausgesprochen. Warum? Weil die BSR und die Wirtschaft Angst vor Mehraufwand haben. Das verstehe ich. Aber Angst ist kein gutes Argument gegen Veränderung.

4. Engagement stärken: Die Clean-Up-Initiativen, die wie „sauBer“ in Kreuzberg wunderbar arbeiten brauchen Klarheit, Unterstützung und weniger Bürokratie.

5. Mehr Präsenz: Park- und Kiezläufer*innen sollen dauerhaft finanziert werden. Das sind die Menschen, die mit Anwohner*innen reden, aufklären, vermitteln und so einen echten Unterschied machen können.

Was ich im Kiez sehe vs. was der Senat tut

Ich sehe Leute, die ihr Wochenende opfern, um Müll aus den Parks zu sammeln. Ich sehe Nachbarschaften, die sich organisieren, die aufräumen, die versuchen, ihren Kiez lebenswert zu halten. Das ist bewundernswert, sollte aber nicht notwendig sein. Trotzdem zahlen wir alle Steuern und Gebühren und damit die Stadtsauberkeit. welche nicht funktioniert, weil der politische Wille fehlt und die Ressourcen knapp sind. Das ist kein Naturgesetz. Das ist eine politische Entscheidung.

Der Kampf um die Zukunft des Kiezes

Müll ist nicht nur ein Sauberkeitsproblem. Esist ein Problem der Würde und von Respekt, von Wohnqualität. Menschen, die in vermüllten Kiezen leben, fühlen sich nicht gesehen und im Stich gelassen. Das betrifft vor allem auch Kreuzberg, einen Bezirk, in dem Menschen von geringerem Einkommen leben, in dem Tourismus und Nachtleben konzentriert sind, in dem soziale Infrastruktur fehlt, aber wo Menschen bleiben wollen, weil der Kiez etwas Besonderes ist.

Was Berlin braucht:

Unsere Grüne Fraktion hat einen Antrag ins Abgeordnetenhaus eingebracht. Wir fordern:

  • Kostenlosen Sperrmüll
  • Eine stärkere BSR mit echten Ressourcen
  • Die Verpackungssteuer
  • Unterstützung für Clean-Up-Initiativen
  • Finanzierung von Park- und Kiezläufer*innen
  • Transparenz der BSR-Leistung

Die Frage an die Stadt

Aber die eigentliche Frage ist die an Berlin selbst: Wollen wir eine Stadt, in der 460.000 Kaffeebecher täglich Müll werden? Wollen wir Kieze, in denen man nicht ohne Handschuhe spazieren gehen kann? Wollen wir, dass Menschen ihre Freizeit damit verbringen müssen, öffentliche Räume zu putzen, die der Staat nicht sauber hält?

Oder wollen wir eine Stadt, die ihre Bewohner*innen ernst nimmt? Die ihren Kiez schützt? Die sagt: „Hier leben Menschen.Hier wird sauber gemacht.“ Nicht als Gnadengeste. sondern als Standard öffentlicher Aufgabe, aber auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.