Stellenausschreibung

Unterstützung der Social Media Arbeit im Büro von Katrin Schmidberger, MdA,
Sprecherin für Wohnen und Mieten von Bündnis 90/die Grünen im Abgeordnetenhaus zu
Berlin

Ich suche ab Mitte Juni 2026 für 8h/Woche eine*n studentische*n Mitarbeiter*in (w/m/d) für die Unterstützung meiner Social Media Arbeit.

Zu deinen Aufgaben gehören:

  • Entwicklung und Umsetzung kreativer Konzepte für Videoinhalte
  • Aufnahme, Schnitt und Bearbeitung von Videomaterial
  • Betreuung meines Instagram- und TikTok-Accounts
  • Aufbau einer Bilddatenbank

(Optimale) Voraussetzungen:

  • Immatrikulation
  • Kenntnisse in gängigen Grafik-, Layout- und Video-Tools wie Canva, InDesign, Gimp, CapCut o. ä.
  • schnelle Auffassungsgabe, Kommunikationsfähigkeit und Kontaktfreude
  • strukturierte, eigenständige Arbeitsweise
  • Kenntnisse im Umgang mit Instagram und TikTok
  • Flexibilität, Belastbarkeit und Teamfähigkeit
  • Interesse an und Kenntnis von aktuellen wohnungs- und mietenpolitischen Themen in Berlin
  • Verbundenheit mit Grünen Werten und Grüner Politik

Dafür biete ich dir:

  • faire Vergütung (17€/h)
  • flexible Arbeitszeiten
  • bei Bedarf einen Arbeitslaptop
  • abwechslungsreiche Tätigkeit in einem spannenden Umfeld
  • Einblicke in die Parlamentsarbeit und die Berliner Landespolitik
  • ein nettes, hilfsbereites und motiviertes Team mit flachen Hierarchien

Bewerbungsunterlagen (ohne Foto) und Kontaktaufnahme bitte per E-Mail : buero.schmidberger@gruene-fraktion.berlin

Söder führt in die wohnungspolitische Sackgasse – und hat Vergesellschaftung nicht verstanden

Wenn Markus Söder sich zur Wohnungspolitik äußert weiß ich: Es wird ein schöner Tag für Heuchelei. Denn Bayern, das Flächenland mit den höchsten Mieten in Deutschland, will uns erklären, wie wir wohnen sollen. Die Fakten sind einfach: München zahlt Mieten, von denen Berliner*innen nur träumen oder eher, von denen sie Albträume haben. Während Bayern predigt, und uns vorwirft die soziale Marktwirtschaft zu gefährden und während Söder uns sagt wir sollten bloß nicht „zu radikal“ werden, vergeigt Bayern systematisch seine eigene Neubaupolitik und hat mit ihrer Privatisierungspolitik Wohnungsnot und Verdrängung erzeugt.

Soziales Wohnen im Kollaps

Die Zahlen sind bemerkenswert und sprechen für sich: Die Förderung für sozialen Wohnungsbau in Bayern ist um 64 Prozent eingebrochen, während bundesweit die Zahlen ohne Bayern sogar gestiegen wären. Dadurch fällt der Freistaat massiv zurück.

Söders großes Prestigeprojekt „BayernHeim“ sollte 10.000 neue Wohnungen bis 2025 bringen. Stattdessen hat die Gesellschaft bis Jahresende 2025 nur rund 1.700 Wohnungen zur Verfügung gestellt. Fast die Hälfte davon nicht mal durch Neubau, sondern durch Zukäufe bereits geplanter Bauträgerprojekte. Eigenständiger Neubau im großen Stil? Findet nicht statt. Selbst bis Ende 2026 wird der Bestand nur auf rund 3.700 Wohnungen anwachsen. Und nicht vergessen: „BayernHeim“ verdrängt dabei andere Akteure wie kommunale Wohnbaugesellschaften und Genossenschaften, weil diese alle aus denselben knappen Fördertöpfen bedient werden.

Im sozialen Wohnungsbau werden 2026 bundesweit nur noch 3.000 Wohnungen in Bayern fertiggestellt, nachdem diese Zahl bereits im Vorjahr um mehr als ein Fünftel eingebrochen ist. Das ist der wohnungspolitische Kollaps.

Die Geschichte der Privatisierung: eine Warnung

Aber die Geschichte Bayerns ist noch älter und bitterer: Sie heißt GBW – Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Bayern. 2012 hat Bayern, genauer gesagt, das Bayrische Finanzministerium unter Finanzminister Markus Söder 33.000 Wohnungen -10.000 davon im Großraum München- an den Immobilien-Konzern Patrizia verkauft. Ein Millionencoup für die Rendite, ein Desaster für die Mieter*innen.

Die Begründung damals: Zwang der EU. Später stellte sich heraus und wird bis heute diskutiert, dass es möglicherweise auch ganz andere Lösungen gegeben hätte. Hätte man die Wohnungen in öffentlicher Hand halten können? Wahrscheinlich. Hätte Bayern dafür kämpfen sollen? Definitiv. Stattdessen ließ man Tausende Mieter*innen im Stich. Eine Rentnerin in München-Neuperlach bekam nach dem Verkauf vier Mieterhöhungen hintereinander und zahlt nun zwei Drittel ihrer Rente nur fürs Wohnen. Das ist nur eines von vielen Beispielen. Danke für Nichts, Herr Söder. Das ist die mietenpolitische Verantwortungslosigkeit, auf die die CSU stolz sein kann.

Erst Förderstopp, dann Rolle rückwärts – Söder kann keine Verlässlichkeit

2025 wurde erst ein Förderstopp verkündet, um anschließend nach riesiger Kritik eben diesen wieder aufzuheben. Der Branchenverband VdW Bayern hatte dadurch mitgeteilt, dass im Jahr 2025 maximal 3.000 Wohnungen fertiggestellt werden können. Dies nachdem die Zahlen im Jahr zuvor bereits um über 20 % auf 3.556 eingebrochen waren. Während Söder uns Berliner*innen vorwirft mit unseren Plänen den Volksentscheid Deutsche Wohnen und Co umzusetzen, die Wirtschaft zu verunsichern, bekommt er das mit seiner neoliberalen Politik für Bayern schon ganz alleine hin.

Berlin ist eine Mieter*innenstadt

Hier in Berlin haben die Menschen entschieden: Im September 2021 haben 59,1 Prozent der Menschen für die Enteignung von Deutsche Wohnen & Co gestimmt. Ein sehr eindeutiges Ergebnis und das über alle Parteien hinweg. Es war ein sehr deutlicher Auftrag. Und wir nehmen diesen Auftrag ernst!

Der Volksentscheid war eine klare Ansage: Wohnen ist zu wichtig, um es dem Markt zu überlassen. Wohnen ist ein Grundrecht, keine Spekulationsware.

Gemeinwohlorientierung statt Rendite

Während Bayern bzw. besser gesagt die CSU immer noch davon träumt, dass der Markt sich selbst reguliert (was München auf anschauliche Weise widerlegt), wollen wir in Berlin einen anderen Weg gehen: Den Wiener Weg. Den Weg hin zu einem gemeinwohlorientierten Wohnungsmarkt. Sprich, mindestens 60 % aller Wohnungen sollen gemeinwohlorientiert bewirtschaftet werden. Das ist ein System, in dem der Gewinn nicht bei großen Fonds landet, sondern bei den Menschen bleibt. Die Menschen, die hier leben, arbeiten und die diese Stadt ausmachen.

Und ja, das erfordert politischen Mut. Es erfordert eine Regierung die nicht vor der Immobilienwirtschaft buckelt. Aber genau das wollen wir. Genau das ist unsere Antwort auf die Mietenkrise.

Bezahlbare Kieze gibts nur mit bezahlbaren Gewerberäumen

Es gibt diesen Moment, wenn ich durch die Kieze gehe, durch Kreuzberg, durch Friedrichshain, durch Neukölln, und sehe, was passiert ist. Wo vor ein paar Jahren noch die Buchhandlung von nebenan war, sitzt jetzt eine Kaffee-Kette. Wo das Fahrradgeschäft mit dem legendären Service war, ist jetzt ein Spielautomaten-Casino. Und das Handwerk? Das Café? Der kleine Laden von der alten Dame? Alles weg.

Mein Motto war immer: „Haus für Haus – Mieter*innen schützen.“ Aber in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass dieses Motto eigentlich um „Kiezgewerbe erhalten“ erweitert werden muss, weil soviel schönes Kiezgewerbe verdrängt wurde, die Mieten sich verdreifachten oder danach die Läden jahrelang leerstehen. Deshalb haben wir einen Antrag ins Abgeordnetenhaus eingebracht, der endlich aufzeigt, dass Gewerbevertreibung nicht nur eine Gefühlssache ist. Das ist Stadtplanung. Das ist Politik. Und es braucht konkrete Antworten.

Die Zahlen sind extrem: Eine Verdopplung in 14 Jahren

Der Tagesspiegel hat vor Kurzem eine Datenrecherche veröffentlicht, die zeigt was viele schon lange merken: Die Gewerbemieten in Berlin haben sich seit 2010 nahezu verdoppelt. Von durchschnittlich 10 Euro auf knapp 20 Euro pro Quadratmeter. Das ist Strukturwandel, aber in die falsche Richtung.

Konkret bedeutet das: Wer 2010 in Neukölln für 1.000 Euro monatlich 119 Quadratmeter für ein Restaurant oder einen Laden mieten konnte, bekommt heute für denselben Betrag gerade noch 48 Quadratmeter. Das ist weniger als die Hälfte. Für viele Gewerbetreibende sind das keine Flächen mehr, auf denen sie wirtschaften oder gar existieren können.

Das Gesicht der Verdrängung: die Buchhandlung nebenan

Es geht um die Buchhandlung, die seit 20 Jahren an der Ecke stand und jetzt schließen muss. Um den Schuster, der die Schuhe repariert hat, während man wartet. Die Fahrradwerkstatt, wo man tatsächlich Rat bekam und nicht nur Massenware. Die Kinderläden, wo Erzieher*innen und Eltern sich kennen. Die Arztpraxen, die von ihrer Stelle nicht weg können, weil die Patientenschaft dort wohnt. Die sozialen Träger, die Beratungsstellen, die mit Mieterhöhungen von Vertragslaufzeit zu Vertragslaufzeit leben, immer in Angst vor der nächsten Rechnung.

Ich kämpfe nicht abstrakt für „bezahlbare Gewerbemieten“ sondern für die Menschen dahinter. Ich kämpfe für den Handwerksbetrieb der über Jahrzehnte seinen Kundenstamm aufgebaut hat und nicht einfach in eine billige Randlage ausweichen kann, ohne damit sein Geschäftsmodell zu zerstören. Ich kämpfe für die Kita, die plötzlich um ihre Existenz bangt, weil ein*e neue*r Eigentümer*in nach dem teuren Ankauf des Hauses auf neue Renditen setzt. Ich kämpfe für die Kieze die es nur gibt, weil Menschen dort arbeiten, sozial und kulturell zentrale Angebote machen und die Nachbarschaft gestalten.

Der Skandal: Während die Läden verschwinden, stehen 2 Millionen Quadratmeter leer.

Das Absurdeste an dieser Entwicklung ist: Fast 2 Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen in Berlin aktuell leer und trotzdem werden weiter neue, teure Büroflächen gebaut. Gleichzeitig fehlen uns dringend die günstigen Werkstätten, die Ladenflächen sowie die Räume für Kultur und soziale Infrastruktur.

Das ist reines Marktversagen. Eigentümer*innen spekulieren auf höhere zukünftige Renditen und lassen Flächen lieber leer stehen, als sie zu fairen Konditionen zu vermieten. Das ist Spekulation auf dem Rücken der Stadt.

Und während all das passiert steht die Politik daneben und sagt: „Ja, aber für Gewerbemieten können wir ja nichts machen.“ Das ist die große Lüge. Nein, es gibt kein Mitspracherecht der Gewerbetreibenden beim Mietpreis wie beim Wohnraum, weil das Gewerbemietrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch völlig ungeschützt ist. Und es gibt keinen Kündigungsschutz. Das ist eine politische Entscheidung und wir können sie ändern.

Unser Antrag: Konkrete Instrumente für den Kiez

Wir haben einen Antrag eingebracht, der zeigt, wie es geht. Dieser baut auf jahrelanger Arbeit auf, auf konkreten Fällen, auf dem, was andere Länder uns schon erfolgreich vormachen.

1. eine Bundesratsinitiative für ein soziales Gewerbemietrecht:

Frankreich und Österreich machen es vor. Ein Gewerbemietrecht, das Kiezstrukturen schützt. Eigentümer*innen dort können Verträge nicht ohne Entschädigung aus wirtschaftlichen Gründen kündigen. Das funktioniert dort seit Jahrzehnten. Das könnte in Berlin funktionieren, wenn der Senat endlich Druck machen würde.

Unsere Bundesratsinitiative von 2019 ist damals im im Bund an CDU und SPD gescheitert. Aber seitdem ist die Lage noch dramatischer geworden. Nicht nur in Berlin sondern in fast allen Innenstädten der Republik. Jetzt muss die neue Bundesregierung handeln und Berlin erneut Druck über den Bundesrat aufbauen.

Berliner Schutzmaßnahmen muss es auch auf Landesebene geben, denn wir können nicht auf die Bundesregierung warten. Auch da lässt sich mehr bewegen als die Koalition aus CDU und SPD zugibt.

2. Der Berliner Gewerbeatlas: Eine systematische, bezirksscharfe Erfassung von Gewerbeflächen, Mietpreisentwicklungen und Leerständen. Nur wenn wir wissen, wo die Probleme verortet sind, können wir gezielt schützen.

3. Stärkung des Vorkaufsrechts: Der Senat und die Bezirke müssen Instrumente haben, um in schutzwürdigen Lagen Vorkaufsrechte auszuüben und spekulativem Aufkauf entgegenzuwirken.

4. Gewerbehöfe 2.0 massiv ausbauen: Das Programm für bezahlbare Gewerbeflächen muss wachsen. Landeseigene Unternehmen müssen verpflichtet werden, beim Neubau einen festen Anteil an Gewerbeflächen dauerhaft zu sozialverträglichen Konditionen anzubieten. Zudem müssen sie faire, soziale Mietkonditionen für kleines Gewerbe anbieten, was sie leider oft nicht tun. Auch hier müssen sie mit der Kooperationsvereinbarung mehr in die Pflicht genommen werden.

5. Leerstandsabgabe für spekulativ leerstehende Gewerberäume: Wenn Fläche spekulativ leersteht, muss das Konsequenzen haben. Eigentum verpflichtet und es ist absurd, wenn Eigentümer*innen Leerstand abschreiben können und null finanziellen Druck haben, ihre Gewerberäume zu vermieten. Das wollen wir ändern.

6. Milieuschutz auch für Gewerbe: In Gebieten mit sozialen Erhaltungsverordnungen müssen wir die Schutzwirkung auf Gewerbenutzungen ausweiten, um Verdrängung durch Umwandlung zu verhindern.

7. Ein Berliner Gewerbemieten-Monitoring: für mehr Transparenz und auch um Handlungsempfehlungen für belastete Kieze geben zu können.

Es gibt nicht die eine Lösung, wir brauchen ganzen Instrumentenkasten. Auch die Beratung von Gewerbetreibenden wollen wir wieder einführen, nachdem Schwarz-Rot diese abgeschafft hat.

Manche werden jetzt sagen: „Das ist zu viel Eingriff in den Markt“. Nein. Es ist der Versuch, einen Markt zu retten, der nicht funktioniert. Wenn 2 Millionen Quadratmeter leer stehen, während Läden schließen müssen und die Kieze immer homogener werden und vor allem nicht mehr den Bedarfen der Bevölkerung entspricht, funktioniert der Markt nicht. Dann ist ein Eingriff zwingend notwendig, um die soziale Marktwirtschaft zu erhalten.

Andere Länder machen es uns vor. Frankreich macht es. Österreich macht es. Und Berlin sollte es auch machen.

Der Kampf um die Kieze ist der Kampf um Berlin

Mein Motto„Haus für Haus – Mieter*innen schützen, Kiezgewerbe erhalten“ bedeutet: Jede Einheit zählt. Jeder Laden. Jedes Handwerk. Jeder Kulturort. Nicht aus Nostalgie, sondern aus der Überzeugung, dass diese Berliner Mischung unsere Stadt und unsere Kieze lebenswert macht.

Berlins Stärke war immer genau diese Mischung: Wohnen und Gewerbe, Handwerk und Kultur, Bildung und Soziales – alles durcheinander, alles gewachsen, oft selbstorganisiert. Diese Mischung entsteht nicht von selbst. Sie muss politisch gewollt und aktiv geschützt werden.

Mit unserem Antrag legen wir fest: Wir wollen die Berliner Mischung schützen. Und das konkret. Mit Instrumenten, die funktionieren. Auch wenn es dicke Bretter sind, wir müssen endlich anfangen zu bohren!

Hier geht`s zum Antrag: https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/DruckSachen/d19-3390.pdf

Wohnungskataster: Wer besitzt unsere Kieze – und zu welchem Preis?

Berlins Wohnungsmarkt ist intransparent. Briefkastenfirmen, Fonds und Konzerne besitzen ganze Kieze, doch niemand weiß genau, wer dahintersteckt, was sie verlangen und wo Wohnungen leer stehen. Das muss sich endlich ändern. Dafür brauchen wir ein Berliner Wohnungs- und Mietenkataster.

Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Alle Berliner Wohnungen werden in einem zentralen, digitalen Register erfasst, mit Mietpreis, Ausstattung, Eigentümerstruktur, Leerstand und energetischem Zustand. In der Schweiz, in Dänemark und in Schweden gibt es solche Instrumente längst. Es wird Zeit, dass Berlin nachzieht.

Was fehlt: verlässliche Daten als Grundlage für gute Politik

Wir kritisieren seit Jahren, dass dem Senat eine belastbare und umfassende Datengrundlage zu Wohn- und Gewerbeflächen fehlt. Ohne verlässliche Zahlen ist wohnungspolitisches Handeln im Blindflug. Ein Miet- und Wohnungskataster schafft genau das: Transparenz über Eigentümerstrukturen, Mietentwicklungen und Leerstand und damit die Grundlage für effektiven Mieterschutz und eine gezielte Bekämpfung von Spekulation.

Mit einem solchen Kataster wird endlich sichtbar, wer in welchen Stadtteilen welche Immobilien besitzt und welche Briefkastenfirmen, Fonds und Konzerne dort Probleme verursachen. Leerstand, umgewandelte Eigentumswohnungen, bei denen Eigenbedarfskündigungen drohen, und auslaufende Mietpreisbindungen bei Sozialwohnungen müssen endlich adressscharf erfasst werden. Spekulativer Leerstand lässt sich so systematisch erfassen und sanktionieren. Und die Steuervermeidung großer Konzerne wird deutlich schwerer.

Der Senat hat Zeit verschwendet, wir nicht

Jahrelang versteckte sich der schwarz-rote Senat hinter der Ausrede, erst ein Bundeskataster abwarten zu wollen. Das war ein Fehler. Juristische Gutachten, die die Machbarkeit bestätigen, lagen dem Senat schon vor Jahren vor. Und jetzt, wo klar ist, dass die aktuelle Bundesregierung keinerlei Pläne verfolgt, ein solches Kataster einzurichten? Liegt der Ball wieder bei Berlin und wir sind bereit.

Spätestens seit 2018 hätten wir ein Wohnungskataster umsetzen können und müssen. Es ist leider immer an Rot und Rot gescheitert. Durch dieses Zögern sind wertvolle Jahre verloren gegangen.

Dass der Senat nun endlich unsere langjährige Forderung aufgreift und ein Wohnungskataster ankündigt, nehmen wir zur Kenntnis. Doch vom Bremser zum Vorkämpfer? Glaubwürdig geht anders. Jetzt als SPD ein Wohnungskataster anzukündigen, nachdem man das jahrelang selbst verschleppt hat, ist purer Opportunismus – zumal die SPD selbst weiß, dass es vom Beschluss bis zur tatsächlichen Umsetzung erheblicher Zeit bedarf. Das ist kein Projekt, das man kurz vor knapp angeht. Zumindest für die Behörden brauchen wir das Instrument endlich, um Mieter:innen besser schützen zu können.

Was unser Gesetzentwurf vorsieht

Wir Grüne meinen es ernst und bringen unseren Gesetzentwurf ins Abgeordnetenhaus ein. Das darin vorgesehene Landesamt für Wohnungswesen führt das Kataster, legt Eigentümerstrukturen offen und koordiniert die Durchsetzung von Mieter*innenrechten in ganz Berlin. Jede Berliner Wohnung bekommt eine eindeutige Ordnungsnummer. Das klingt technisch, ist aber der Schlüssel zu echter Markttransparenz.

Wohnungsunternehmen ab 50 Wohnungen werden zur Auskunft verpflichtet: zu Miethöhen, zur Vermietung als möbliert, teilmöbliert oder unmöbliert, zum Anteil der Sozialbestandswohnungen einschließlich Miethöhe, zu Leerstand, Eigenbedarfskündigungen und den wirtschaftlich Berechtigten dahinter. Wer Wohnungen besitzt, muss das sagen, vollständig und nachprüfbar.

Was wir damit erreichen wollen

  • Transparenz über Eigentümerstrukturen, inklusive der wirtschaftlich Berechtigten hinter Fonds und Briefkastenfirmen
  • Systematische Erfassung und Sanktionierung von spekulativem Leerstand und Zweckentfremdung
  • Erschwerung von Steuervermeidung großer Konzerne durch Transparenz
  • Gezielte Begrenzung von Mieterhöhungen als Grundlage für einen Mietendeckel 2.0

Ein Wohnungskataster ist kein bürokratischer Selbstzweck. Es ist ein zentrales Instrument gegen Immobilienspekulation und längst überfällig. Der Senat hat mit seiner Tatenlosigkeit dazu beigetragen, dass Missstände auf dem Berliner Wohnungsmarkt weiterhin im Dunkeln bleiben. Das ändert sich jetzt – mit uns.

Berliner Mietspiegel 2026: Dramatischer Anstieg – und noch immer kein Handeln des Senats

Der neue Mietspiegel dokumentiert, was Hunderttausende Berliner*innen täglich spüren: Die Mieten sind massiv gestiegen, und der Senat schaut weiter tatenlos zu. Aber selbst das, was der Mietspiegel zeigt, ist noch beschönigt: Neuvertragsmieten sind nicht erfasst, die Lage auf dem Markt ist also noch dramatischer, als die Zahlen auf dem Papier suggerieren.

Wichtiger Service-Hinweis: Wenn Sie/ihr eine Mieterhöhung erhalten, auf keinen Fall sofort zu stimmen! Stattdessen sollten Sie/ihr sie erst prüfen lassen! Die bezirkliche Mieterberatung ist kostenlos und für alle Berliner Mieter*innen offen. Außerdem gibt es die Mietpreisprüfstelle, bei der Sie/ihr eure Miete überprüfen lassen könnt.

Ein Durchschnittswert, der nichts aussagt

Die ortsübliche Vergleichsmiete ist von 7,21 EUR/m² (2024) auf 7,71 EUR/m² gestiegen, ein Plus von 6,9 Prozent und der stärkste Anstieg seit 2017. Darüber hinaus sind die Unterschiede zwischen den Kiezen enorm, die individuellen Faktoren vielfältig. Der Mietspiegel zeigt insgesamt ein sehr uneinheitliches Bild: Während in einigen Feldern die Mieten nahezu stagnieren, weisen andere Tabellenfelder extreme Steigerungen auf, insbesondere bei den oberen Spannenwerten.

Konkrete Beispiele: In der mittleren Wohnlage, Baualtersklasse 2009–2020, Wohnungsgröße 70–75 m², stieg der Oberwert von 9,98 auf 15,84 EUR/m² – ein Plus von 50,7 Prozent. Den absoluten Höchstwert markiert die Kategorie gute Wohnlage / Baualtersklasse 2020–2024 / unter 60 m² mit einem Oberwert von 27,84 EUR/m².

Oberwerte entkoppeln sich – mit gravierenden Folgen

Die hohen Oberwerte sind dabei maßgeblich auf Neuvermietungen der letzten sechs Jahre zurückzuführen nicht wenige davon unter Verstoß gegen die Mietpreisbremse. Unzulässige Mieten dürfen nicht in den Mietspiegel einfließen. Das muss endlich unterbunden werden.

Systematischer Mietbetrug darf keine Grauzone bleiben

Unternehmen wie Vonovia haben tausendfach Merkmale erfunden, die es im Mietspiegel gar nicht gibt, um Mieten zu erhöhen und haben dieses rechtswidrige Vorgehen solange durchgezogen, bis viele Mieter*innen aus Angst oder Unwissenheit gezahlt haben. Erst nach Monaten und mehreren Niederlagen vor Gericht haben sie davon abgelassen. Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist systematischer Mietbetrug. Der Senat muss dafür sorgen, dass der Mietspiegel nicht nur existiert, sondern auch durchgesetzt wird.

Neubau kann die Mietenkrise nicht lösen

Die größte Dynamik zeigt sich in der Neubauklasse 2020–2024: Oberwerte überschreiten in mittlerer und guter Wohnlage die 20-Euro-Grenze flächendeckend und deutlich. Auch die Baualtersklassen 2010–2015 und 2016–2019 heben sich massiv von älteren Beständen ab. Der Grund: Neubau ab 2014 ist von der Mietpreisbremse ausgenommen. Ein Gebäude aus dem Jahr 2014 gilt noch heute als „Neubau“, obwohl es vor mehr als zehn Jahren errichtet wurde. Der unregulierte Neubau ist für den Großteil der Berliner*innen unerschwinglich, treibt die Vergleichsmieten nach oben und entspannt den Wohnungsmarkt kaum. Neubau ist keine Lösung für Normalverdienende. Der Begriff muss endlich realitätsnah definiert werden.

Kleine Wohnungen, besonders hohe Mieten

Über alle Baualtersklassen hinweg sind vor allem Wohnungen unter 50 m² am teuersten. Hier wird besonders häufig Kurzzeitvermietung genutzt, die von der Mietpreisbremse ausgenommen ist und zu überhöhten Mieten führt, oft ohne dass die Voraussetzungen dafür überhaupt erfüllt sind. Diese Praxis muss endlich unterbunden werden.

Kappungsgrenze als letztes Korrektiv

Angesichts der massiv gestiegenen Oberwerte gewinnt die Kappungsgrenze – wonach die Miete in drei Jahren um maximal 15 Prozent erhöht werden darf – zunehmend an Bedeutung. Sie ist aktuell oft das einzige, was Mieter*innen noch schützt. Das zeigt, wie sehr alle anderen Instrumente versagen.

Landeseigene und Genossenschaften halten den Markt noch zusammen

Die günstigsten Mieten finden sich dort, wo landeseigene Wohnungsunternehmen und Genossenschaften stark vertreten sind. Sie sind die letzten verbliebenen Garanten für bezahlbare Wohnraumversorgung in dieser Stadt. Das muss Konsequenzen für die Wohnungspolitik haben.

Was jetzt gebraucht wird

Dass wir radikale Lösungen für die Mietenkrise brauchen, war vorher schon klar, dieser Mietspiegel unterstreicht es erneut. Wir brauchen einen neuen Mietendeckel oder zumindest eine Länderöffnungsklausel, die es Berlin erlaubt, das selbst in die Hand zu nehmen. Wir brauchen die Umsetzung des Volksentscheids Deutsche Wohnen & Co enteignen. Und mit unserem Bezahlbare-Mieten-Gesetz wollen wir für 60% der Berliner*innen WBS-Wohnungen als verpflichtende Sozialquote (bis zu 30% der freiwerdenden Wohnungen für Vermieter*innen, die mehr als 50 Wohnungen besitzen) zur Verfügung stellen. Die Mieten sollen für diese Haushalte dann 20% unterhalb der Ortsüblichen Vergleichsmiete liegen (Mittelwert). 

Konkret muss für den Mietspiegel gelten:

  • Die Mietpreisbremse muss konsequent verfolgt, nachgeschärft und der Neubaubegriff realitätsnah neu definiert werden.
  • Unzulässige Mieten dürfen nicht in den Mietspiegel einfließen.
  • Vermieter*innen müssen verpflichtet werden, Abweichungen vom Mittelwert konkret zu belegen.
  • Die Kurzzeitvermietung muss endlich wirksam reguliert werden.
  • Die Kappungsgrenze muss in angespannten Wohnungsmärkten abgesenkt werden.

Selbstverpflichtungen von Konzernen und Bündnis-PR aus dem Roten Rathaus lösen keine einzige Wohnungsnot. Solange CDU und SPD die Profite der Immobilienwirtschaft schützen statt die Mieter*innen, wird sich nichts ändern. Wir brauchen eine Regierung, die endlich für die Mieter*innen einsteht.