Unser Einsatz für jedes Haus – Verdrängungsfälle in Friedrichshain-Kreuzberg

Ich kümmere mich um jeden Einzelfall – weil hinter jeder Kündigung, jedem bedrohten Kiezladen und jeder Zwangsversteigerung Menschen und Existenzen stehen. Gleichzeitig erzählen diese Fälle etwas Größeres über Berlin: Wie Renditedruck Nachbarschaften verändert und wie schwer es geworden ist, bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum zu schützen. Denn die politischen Handlungsräume für die Sicherung von Häusern sind begrenzt. Das seit 2021 eingeschränkte Vorkaufsrecht hat den Bezirken eines der wichtigsten Instrumente genommen und der Senat versagt beim Ankauf bedrohter Häuser. Und ja – deswegen können wir nicht jeden Kampf gewinnen. Häuser wie die Warschauer Straße 25/Kopernikusstraße 6 oder die Schönleinstraße 19 konnten trotz enormen Engagements nicht gerettet werden. Aber jeder Kampf lohnt sich: Jedes Haus, das Aufmerksamkeit bekommt, jede organisierte Hausgemeinschaft, jede verhinderte Verdrängung zählt. 

Zossener Straße 6 / Fürbringerstraße 31
Besonders gefährdet sind Gewerbemieter*innen. Sie sind durch das Mietrecht kaum geschützt und nach einem Hausverkauf oft die Ersten, die eine Kündigung erhalten – zugunsten finanzstärkerer und oft kommerzieller Nachnutzungen. Genau das droht dem Gewerbe in der Zossener Straße 6 / Fürbringerstraße 31. Vor wenigen Wochen haben Mieter*innen und Gewerbetreibende erfahren, dass die Eigentümergesellschaft die Zwangsversteigerung beantragt hat. Seit 40 Jahren betreibt eine Gewerbemieterin dort ihr Geschäft für gebrauchte Büromöbel – ihr Jahresvertrag bedeutet, dass sie nächstes Jahr im Mai ihre Existenzgrundlage verlieren kann. Mit ihr betroffen sind der Friseursalon Lija Berlin, geführt von einer alleinerziehenden Mutter, und der Bilder-Buch-Laden, seit 1985 ein sozialer Treffpunkt im Kiez. Dazu kommen zwölf Mietparteien, die im Schnitt über 20 Jahre dort wohnen, und vier bereits leerstehende Wohnungen. Was hier verloren zu gehen droht, ist nicht nur Wohnraum: Es sind gewachsene Nachbarschaften, Freundschaften soziale Orte und bezahlbare Räume, die einen Kiez erst lebendig machen. Ich versuche alles, um die Zwangsversteigerung abzuwenden und habe das Bezirksamt gebeten, jedes vorhandene Instrument zu prüfen und werde die Haus- und Gewerbegemeinschaft weiter unterstützen, um aus der Verkaufsspirale rauszukommen bzw. das Haus in verantwortungsvolle Hände zu bekommen.

Falckensteinstraße 26
In der Falckensteinstraße 26 zeigt sich ein anderes Muster, aber mit derselben Logik. Das Haus wurde kürzlich verkauft; einige Mieter*innen wohnen seit über 50 Jahren dort. Die Kneipe im Erdgeschoss steht seit rund zwei Jahren leer, eine Wohnung wird strategisch freigehalten, das Gartenhaus ebenfalls. Dieses schrittweise Aushöhlen des Bestands ist eine bekannte Strategie: Leerstand schaffen, Druck aufbauen, sanieren, Mieten erhöhen. Für die Menschen im Haus bedeutet das permanente Unsicherheit  und die Angst, ihr Zuhause und ihr soziales Umfeld zu verlieren.

Oranienstraße 169
Auch der Fall der Oranienstraße 169 zeigt, wie dringend wir stärkere Instrumente brauchen. Das Haus wurde in den 1990er Jahren mit öffentlichen Fördergeldern saniert, mit der Auflage, für 30 Jahre bezahlbaren Wohnraum zu sichern. Nun müssen die Eigentümer*innen nach einem Vergleich mit dem Land Berlin über drei Millionen Euro der Förderung zurückzahlen. Gleichzeitig steht das Gebäude zum Verkauf. Ich setze mich dafür ein, dass geprüft wird, ob es in die Hand einer Genossenschaft oder eines landeseigenen Wohnungsunternehmens übergehen kann. Es darf nicht sein, dass Häuser mit öffentlichen Mitteln gefördert werden und dennoch zum Spekulationsobjekt werden. Denn am Ende trifft es die Miter*innen, deren Mieten steigen und denen Verdrängung droht. Es kann nicht sein, dass sie bestraft werden, für das Handeln der noch Eigentümer*innen des Hauses.

Häuser der High Line Holdings GmbH
Besonders deutlich wird die Verdrängungslogik beim Vorgehen der High Line Holdings GmbH. Gemeinsam mit meiner Kollegin Silke Gebel habe ich dazu eine Schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus eingebracht (Drucksache 19/25554). Das Ergebnis ist alarmierend: Allein in Friedrichshain-Kreuzberg hält das Unternehmen 13 Objekte. Ermittlungen wegen Verdachts auf Zweckentfremdung liefen oder laufen in vier Fällen zwischen 2023 und 2025. Baugenehmigungen für Dachgeschossausbauten, Aufzüge und Balkone wurden erteilt – die klassische Vorbereitung für Luxussanierung und möbliertes Zeitwohnen auf Kosten der bestehenden Mieterschaft. Um die betroffenen Hausgemeinschaften zu vernetzen und gemeinsam mit der neuen Mieter*innenberatung mögliche Strategien zu entwickeln, organisiere ich zusammen mit Vasili Franco am 15. Juni 2026 eine Mieter*innenversammlung.Was jetzt gebraucht wird
Die wieder eingeführte Mieter*innenrechtsberatung unseres Kreisverbandes Friedrichshain-Kreuzberg ist ein wichtiger Schritt: damit Menschen früher Unterstützung bekommen, ihre Rechte kennen und sich organisieren können. Aber Beratung allein reicht nicht. Es braucht politische Handlungsmöglichkeiten: ein wirksames Vorkaufsrecht, konsequente Verfahren gegen Zweckentfremdung und Leerstand sowie ein soziales Gewerbemietrecht, das kleine Läden, soziale Infrastruktur und Kiezorte schützt. Denn Friedrichshain-Kreuzberg lebt nicht von Luxusmodernisierung und Spekulation, sondern von den Menschen, die hier wohnen, arbeiten und Nachbarschaft schaffen. Darum kämpfen wir – Fall für Fall, Mensch für Mensch und Haus für Haus.

Eine progressive Regierung ist möglich – aber kein Selbstläufer!

Wir haben die Schnauze voll. Voll von Rollback und sozialer Kälte. Voll von einem rechten Kulturkampf, der unsere Stadt spaltet. Voll von Großprojekten, die am Ende die Berliner*innen teuer zu stehen kommen, während gleichzeitig bei sozialer Infrastruktur, bei Kitas, bei Stadtteilzentren und bei bezahlbaren Wohnungen gespart wird. Das ist nicht die Politik, die wir in Berlin brauchen. Das ist nicht die Politik, die wir in Berlinwollen.

Wir kämpfen für eine bezahlbare, weltoffene, liberale und klimagerechte Stadt. Für eine Stadt, in der Menschen nicht verdrängt werden, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. Für eine Stadt, in der der Kiez noch etwas bedeutet. als gelebter Ort von Nachbarschaft, Vielfalt und Solidarität. Das ist mit einer CDU, die Wohnungspolitik dem Markt überlässt und soziale Gerechtigkeit als Luxus behandelt, nicht zu machen.

Deshalb habe ich eine Veranstaltung organisiert, bei der wir gemeinsam und konkret diskutiert haben: Was muss eine mögliche Regierung aus Grünen, Linken und SPD nach 2026 anpacken? Denn diese Frage ist keine akademische. Sie ist politisch. Und sie ist dringend.

Was muss sich ändern und wie?

Wie werden Mieten wieder bezahlbar? Wie schaffen wir es, dass niemand aus seinem Kiez verdrängt wird, weder durch explodierende Mieten noch durch Luxussanierung oder Eigenbedarfskündigungen?

Welche Instrumente brauchen wir wirklich, um Verdrängung zu stoppen? Ein Mietendeckel allein reicht nicht. Es braucht ein Bündel an Maßnahmen: die Umsetzung des Volksentscheids DW und Co. Enteignen, stärkere Milieuschutzgebiete mit echten Zähnen, konsequente Vorkaufsrechte, einen wachsenden gemeinwohlorientierten Wohnungssektor und die Rückgewinnung landeseigener Flächen für sozialen Wohnungsbau.

Wie schützen wir soziale Infrastruktur, Kiezläden und Gemeinschaftsorte, jene Orte, die das Leben im Kiez ausmachen, die aber zunehmend durch steigende Gewerbemieten verschwinden? Hier braucht es endlich einen Mietendeckel für Gewerbe und verbindliche Regeln für die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Wie schaffen wir eine soziale Klima- und Wärmewende, die nicht auf dem Rücken einkommensschwacher Mieter*innen ausgetragen wird, sondern gerecht gestaltet ist? Klimaschutz und sozialer Ausgleich müssen zusammengedacht werden, nicht gegeneinander ausgespielt.

Lernen aus der Vergangenheit

Welche Lehren können und müssen wir aus der letzten Rot-Grün-Roten Koalition ziehen? Es gab Erfolge, aber es gab auch Misserfolge. Beides müssen wir ehrlich benennen. Wir haben den Mietendeckel erkämpft und ihn leider durch das Bundesverfassungsgericht verloren. Wir haben mehr Vorkaufsrechte genutzt. Wir haben angefangen, gemeinwohlorientierte Strukturen zu stärken. Aber wir haben auch gemerkt, wie schwierig es ist, in einer Koalition wirklich gemeinsam zu regieren, wenn Ziele und Instrumente nicht klar genug vereinbart sind, wenn Koalitionsverträge zu vage bleiben, wenn der Druck von außen fehlt.

Das darf sich nicht wiederholen. Daher müssen wir schon jetzt klären: Welche konkreten Instrumente müsste eine neue Koalition vereinbaren? Welche Mechanismen braucht es, damit aus Wahlversprechen wirklich Regierungshandeln wird? Und wie finanzieren wir unsere Vorhaben?

Berlin braucht einen Neustart: grün, sozial und gerecht.

Das sind keine abstrakten Zukunftsszenarien. Das sind ganz konkrete politische Entscheidungen, die in den nächsten Jahren getroffen werden. Und wir müssen jetzt anfangen, sie vorzubereiten.

Diese Veranstaltung soll der Auftakt gewesen sein, nicht der Abschluss. Denn wir brauchen mehr solcher Gesprächsformate: offen, ehrlich, mit Menschen aus den Kiezen, mit Mieter*innen, mit Gewerbetreibenden, mit Aktivist*innen, mit all jenen, die diese Stadt jeden Tag mit Leben füllen. Das war auch das klare Feedback der anwesenden Bürger*innen und das nehme ich ernst.

Ein großes Dankeschön an alle, die dabei waren und mitdiskutiert haben. Besonders danke ich Annika Klose, Tobias Schulze und Franziska Brychcy für ihre engagierte Teilnahme und ihre ehrlichen Einschätzungen. Solche Gespräche, über Parteigrenzen hinweg, mit geteilter Analyse und dem gemeinsamen Willen zur Veränderung, sind es, die unsere Politik wirklich voranbringen können.

Und danke an unsere herzliche Gastgeberin, die Gelbe Villa in Kreuzberg ein wunderbarer Ort der genau die Ideal die wir brauchen vor Ort vor lebt!

Stellenausschreibung

Unterstützung der Social Media Arbeit im Büro von Katrin Schmidberger, MdA,
Sprecherin für Wohnen und Mieten von Bündnis 90/die Grünen im Abgeordnetenhaus zu
Berlin

Ich suche ab Mitte Juni 2026 für 8h/Woche eine*n studentische*n Mitarbeiter*in (w/m/d) für die Unterstützung meiner Social Media Arbeit.

Zu deinen Aufgaben gehören:

  • Entwicklung und Umsetzung kreativer Konzepte für Videoinhalte
  • Aufnahme, Schnitt und Bearbeitung von Videomaterial
  • Betreuung meines Instagram- und TikTok-Accounts
  • Aufbau einer Bilddatenbank

(Optimale) Voraussetzungen:

  • Immatrikulation in einem politik-, kommunikations-, geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studienfach
  • Kenntnisse in gängigen Grafik-, Layout- und Video-Tools wie Canva, InDesign, Gimp, CapCut o. ä.
  • schnelle Auffassungsgabe, Kommunikationsfähigkeit und Kontaktfreude
  • strukturierte, eigenständige Arbeitsweise
  • Kenntnisse im Umgang mit Instagram und TikTok
  • Flexibilität, Belastbarkeit und Teamfähigkeit
  • Interesse an und Kenntnis von aktuellen wohnungs- und mietenpolitischen Themen in Berlin
  • Verbundenheit mit Grünen Werten und Grüner Politik

Dafür biete ich dir:

  • faire Vergütung (17€/h)
  • flexible Arbeitszeiten
  • bei Bedarf einen Arbeitslaptop
  • abwechslungsreiche Tätigkeit in einem spannenden Umfeld
  • Einblicke in die Parlamentsarbeit und die Berliner Landespolitik
  • ein nettes, hilfsbereites und motiviertes Team mit flachen Hierarchien

Bewerbungsunterlagen (ohne Foto) und Kontaktaufnahme bitte per E-Mail bis 30. Mai 2026: buero.schmidberger@gruene-fraktion.berlin

Tote Schwäne und Wasservögel im Landwehrkanal – der Senat muss Wasservögel besser schützen

Das Sterben der Schwäne und allgemein der Wasservögel im Landwehrkanal hat viele Menschen traurig bewegt – auch mich. Über einen längeren Zeitraum wurden immer wieder sterbende oder tote Tiere entdeckt, die zuständigen Behörden blieben jedoch teils untätig. Die Menschen, die helfen wollten, fühlten sich ohnmächtig und waren verzweifelt.

Deshalb habe ich den Senat sowohl im zuständigen Ausschuss als auch mit einer schriftlichen Anfrage um Auskunft gebeten. Die Antworten zeigen jedoch vor allem eines: Viele zentrale Fragen bleiben offen.

So gibt es bereits keine verlässliche Gesamtzahl der verendeten Tiere. Die Bezirke Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Reinickendorf melden insgesamt 270 verstorbene Wasservögel. Der Senat selbst konnte oder wollte keine Zahlen vorlegen. Auch beim Landwehrkanal selbst bleibt die Datenlage ungenau. Eine klare Gesamtübersicht und Zuordnung fehlt.

Ursachen komplexer als von Senatorin Bonde dargestellt

Als wir Senatorin Bonde im Ausschuss befragt haben, hat sie fast ausschließlich über die Vogelgrippe als Ursache für das Sterben der Tiere gesprochen. Die Antworten des Senats in meiner Anfrage zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: Von den insgesamt 520 getesteten toten Wildvögeln wurde lediglich bei rund jedem fünften Tier die Vogelgrippe festgestellt.

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Witterung und die Qualität des Landwehrkanals eine große Rolle gespielt haben. Doch genau hier, wo der Senat tatsächlich Handlungsspielraum hat, sind die Antworten unzureichend. Auf unsere Frage, was der Senat zu tun gedenkt, um den Lebensraum Landwehrkanal wildvogelfreundlicher zu gestalten und Schwäne sowie andere Vögel besser zu schützen, bleibt er eine inhaltliche Antwort schuldig.

Was daraus folgen sollte

Aus meiner Sicht braucht es Konsequenzen, um in Zukunft besser vorbereitet zu sein und ein Sterben in diesem Ausmaß zu verhindern:

  • ein früheres und koordinierteres Handeln
  • klarere Zuständigkeiten und bessere Ausstattung für Bergungen
  • eine stärkere Unterstützung von Einrichtungen wie der Wildvogelstation des NABU, die bisher keine Wasservögel am Berliner Standort aufnehmen können.
  • mehr Aufmerksamkeit für den Schutz von Wasservögeln und ihren Lebensräumen
  • den Landwehrkanal als Lebensort von Wasser/Wildvögeln anerkennen und dort für gesunde Lebensverhältnisse sorgen, denn die Tiere leiden das ganze Jahr an schlechten Umwelteinflüssen, Klimawandel und schlechter Wasserqualität.