Stellenausschreibung

Unterstützung der Social Media Arbeit im Büro von Katrin Schmidberger, MdA,
Sprecherin für Wohnen und Mieten von Bündnis 90/die Grünen im Abgeordnetenhaus zu
Berlin

Ich suche ab Mitte Juni 2026 für 8h/Woche eine*n studentische*n Mitarbeiter*in (w/m/d) für die Unterstützung meiner Social Media Arbeit.

Zu deinen Aufgaben gehören:

  • Entwicklung und Umsetzung kreativer Konzepte für Videoinhalte
  • Aufnahme, Schnitt und Bearbeitung von Videomaterial
  • Betreuung meines Instagram- und TikTok-Accounts
  • Aufbau einer Bilddatenbank

(Optimale) Voraussetzungen:

  • Immatrikulation
  • Kenntnisse in gängigen Grafik-, Layout- und Video-Tools wie Canva, InDesign, Gimp, CapCut o. ä.
  • schnelle Auffassungsgabe, Kommunikationsfähigkeit und Kontaktfreude
  • strukturierte, eigenständige Arbeitsweise
  • Kenntnisse im Umgang mit Instagram und TikTok
  • Flexibilität, Belastbarkeit und Teamfähigkeit
  • Interesse an und Kenntnis von aktuellen wohnungs- und mietenpolitischen Themen in Berlin
  • Verbundenheit mit Grünen Werten und Grüner Politik

Dafür biete ich dir:

  • faire Vergütung (17€/h)
  • flexible Arbeitszeiten
  • bei Bedarf einen Arbeitslaptop
  • abwechslungsreiche Tätigkeit in einem spannenden Umfeld
  • Einblicke in die Parlamentsarbeit und die Berliner Landespolitik
  • ein nettes, hilfsbereites und motiviertes Team mit flachen Hierarchien

Bewerbungsunterlagen (ohne Foto) und Kontaktaufnahme bitte per E-Mail : buero.schmidberger@gruene-fraktion.berlin

Müll – ist das Kunst oder wer macht’s weg?!

Vor ein paar Wochen sind wir in Kayaks auf dem Landwehrkanal unterwegs gewesen. Nicht zum Entspannen, sondern zum Müll sammeln. Plastikflaschen, Einkaufstüten, Brot und sogar eine ganze 240-Liter-Mülltonne. Auf dem Marheinke-Platz, unserm wunderschönen Kiez-Platz fanden sich zudem Glasscherben, Pizzakartons, Kaugummiflecken und unendlich viele Zigarettenstummel auf dem Boden. Das war keine Einzelaktion, sondern Teil unserer grünen Aktionswoche gegen Müll. Wir Grüne in Friedrichshain-Kreuzberg haben in dieser Woche insgesamt 121 Kilogramm an Müll aufgesammelt, mehr als jeder andere Bezirk. Darauf können wir stolz sein, aber es zeigt auch, wie viel Müll auf unseren Straßen liegt.

Die Zahlen sind erschreckend

Zu dem Thema habe ich auch eine parlamentarische Anfrage gestellt mit 43 Fragen zum Thema Müll in Kreuzberg. Die Antworten sind bemerkenswert. Und beängstigend.

13.333 Meldungen gingen in nur sechs Monaten über die Ordnungsamts-App ein (Januar bis Juni 2026). Das entspricht einer Meldung alle 15 Minuten. Und weißt du, wie viele Leute diese Meldungen abarbeiten? Vier. Vier Mitarbeitende für einen ganzen Bezirk. Deshalb muss der Senat den Bezirken endlich mehr Geld für Personal zur Verfügung stellen.

200.000 Meldungen waren es im Jahr 2025 über alle Berliner Ordnungsämter. Das ist ein Rekord. Und weißt du, was das kostet? 13,1 Millionen Euro jährlich, nur für die Entsorgung illegalen Mülls.

Auch nicht vergessen dürfen wir die Glascontainer: Seit Anfang 2026 gingen 100 Meldungen zu überfüllten, nicht geleerten Altglascontainern ein. Die Menschen sind frustriert. Sie wollen ihre Abfälle richtig entsorgen und können es nicht. Und was sagt der Senat dazu? Er, könne der privaten Abfallentsorgung keine Vorschriften machen. Diese sind gesetzlich dazu verpflichtet, den Glasmüll abzuholen. Tun sie es nicht ist es dem Senat aber auch egal.

Warum? Weil wir nur die Symptome behandeln und nicht die Ursachen.

Das grüne Maßnahmenpaket: Endlich eine echte Antwort

Als Grüne Fraktion haben wir letzte Woche unser Maßnahmenpaket für ein sauberes Berlin vorgestellt:

1. Kostenloser Sperrmüll für alle: Das bedeutet jeder Haushalt bekommt jährlich eine kostenlose Sperrmüllabholung. Klingt teuer? Nein,es spart Geld. Weil die Menschen ihren Müll nicht mehr illegal entsorgen müssen und die BSR nicht mehr 13,1 Millionen Euro für illegale Entsorgungen ausgeben muss.

2. Eine starke BSR: Die BSR soll in allen Kiezen mehr Parks und Straßen reinigen. Und wichtiger noch: Sie sollen selbst illegalen Müll dokumentieren und direkt beseitigen dürfen, ohne komplizierte Anmeldeverfahren und Zuständigkeits-Ping-Pong.

3. Hotspots gezielt säubern: Nicht nur die öffentlichen Straßen, sondern auch Supermarktparkplätze und andere Privatgrundstücke, die häufig massiv vermüllt sind. Die Zuständigkeiten müssen sich der Lebensrealität anpassen. Wenn der Gehweg der Stadt gehört, die Wiese daneben aber Privateigentum ist, ist es nicht logisch, dass die BSR nur den Gehweg sauber macht aber den Müll auf der Wiese liegen lässt. Kommt eine Stunde später der Wind, ist der ganze Dreck sowieso wieder auf dem Gehweg.

4. Die Verpackungssteuer: Das Thema, bei dem der Senat Angst bekommt, wir in Friedrichshain-Kreuzberg fordern dies aber schon lange. Die Zahlen sind eindeutig: Tübingen hat im Jahr 2022 eine Verpackungssteuer eingeführt und die Vermüllung ist dauraufhin drastisch gesunken. Die Stadt nimmt damit Geld ein welches direkt in Stadtsauberkeit fließt. Für Berlin könnten das 40 Millionen Euro jährlich sein. Der Senat hat sich jedoch dagegen ausgesprochen. Warum? Weil die BSR und die Wirtschaft Angst vor Mehraufwand haben. Das verstehe ich. Aber Angst ist kein gutes Argument gegen Veränderung.

4. Engagement stärken: Die Clean-Up-Initiativen, die wie „sauBer“ in Kreuzberg wunderbar arbeiten brauchen Klarheit, Unterstützung und weniger Bürokratie.

5. Mehr Präsenz: Park- und Kiezläufer*innen sollen dauerhaft finanziert werden. Das sind die Menschen, die mit Anwohner*innen reden, aufklären, vermitteln und so einen echten Unterschied machen können.

Was ich im Kiez sehe vs. was der Senat tut

Ich sehe Leute, die ihr Wochenende opfern, um Müll aus den Parks zu sammeln. Ich sehe Nachbarschaften, die sich organisieren, die aufräumen, die versuchen, ihren Kiez lebenswert zu halten. Das ist bewundernswert, sollte aber nicht notwendig sein. Trotzdem zahlen wir alle Steuern und Gebühren und damit die Stadtsauberkeit. welche nicht funktioniert, weil der politische Wille fehlt und die Ressourcen knapp sind. Das ist kein Naturgesetz. Das ist eine politische Entscheidung.

Der Kampf um die Zukunft des Kiezes

Müll ist nicht nur ein Sauberkeitsproblem. Esist ein Problem der Würde und von Respekt, von Wohnqualität. Menschen, die in vermüllten Kiezen leben, fühlen sich nicht gesehen und im Stich gelassen. Das betrifft vor allem auch Kreuzberg, einen Bezirk, in dem Menschen von geringerem Einkommen leben, in dem Tourismus und Nachtleben konzentriert sind, in dem soziale Infrastruktur fehlt, aber wo Menschen bleiben wollen, weil der Kiez etwas Besonderes ist.

Was Berlin braucht:

Unsere Grüne Fraktion hat einen Antrag ins Abgeordnetenhaus eingebracht. Wir fordern:

  • Kostenlosen Sperrmüll
  • Eine stärkere BSR mit echten Ressourcen
  • Die Verpackungssteuer
  • Unterstützung für Clean-Up-Initiativen
  • Finanzierung von Park- und Kiezläufer*innen
  • Transparenz der BSR-Leistung

Die Frage an die Stadt

Aber die eigentliche Frage ist die an Berlin selbst: Wollen wir eine Stadt, in der 460.000 Kaffeebecher täglich Müll werden? Wollen wir Kieze, in denen man nicht ohne Handschuhe spazieren gehen kann? Wollen wir, dass Menschen ihre Freizeit damit verbringen müssen, öffentliche Räume zu putzen, die der Staat nicht sauber hält?

Oder wollen wir eine Stadt, die ihre Bewohner*innen ernst nimmt? Die ihren Kiez schützt? Die sagt: „Hier leben Menschen.Hier wird sauber gemacht.“ Nicht als Gnadengeste. sondern als Standard öffentlicher Aufgabe, aber auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Söder führt in die wohnungspolitische Sackgasse – und hat Vergesellschaftung nicht verstanden

Wenn Markus Söder sich zur Wohnungspolitik äußert weiß ich: Es wird ein schöner Tag für Heuchelei. Denn Bayern, das Flächenland mit den höchsten Mieten in Deutschland, will uns erklären, wie wir wohnen sollen. Die Fakten sind einfach: München zahlt Mieten, von denen Berliner*innen nur träumen oder eher, von denen sie Albträume haben. Während Bayern predigt, und uns vorwirft die soziale Marktwirtschaft zu gefährden und während Söder uns sagt wir sollten bloß nicht „zu radikal“ werden, vergeigt Bayern systematisch seine eigene Neubaupolitik und hat mit ihrer Privatisierungspolitik Wohnungsnot und Verdrängung erzeugt.

Soziales Wohnen im Kollaps

Die Zahlen sind bemerkenswert und sprechen für sich: Die Förderung für sozialen Wohnungsbau in Bayern ist um 64 Prozent eingebrochen, während bundesweit die Zahlen ohne Bayern sogar gestiegen wären. Dadurch fällt der Freistaat massiv zurück.

Söders großes Prestigeprojekt „BayernHeim“ sollte 10.000 neue Wohnungen bis 2025 bringen. Stattdessen hat die Gesellschaft bis Jahresende 2025 nur rund 1.700 Wohnungen zur Verfügung gestellt. Fast die Hälfte davon nicht mal durch Neubau, sondern durch Zukäufe bereits geplanter Bauträgerprojekte. Eigenständiger Neubau im großen Stil? Findet nicht statt. Selbst bis Ende 2026 wird der Bestand nur auf rund 3.700 Wohnungen anwachsen. Und nicht vergessen: „BayernHeim“ verdrängt dabei andere Akteure wie kommunale Wohnbaugesellschaften und Genossenschaften, weil diese alle aus denselben knappen Fördertöpfen bedient werden.

Im sozialen Wohnungsbau werden 2026 bundesweit nur noch 3.000 Wohnungen in Bayern fertiggestellt, nachdem diese Zahl bereits im Vorjahr um mehr als ein Fünftel eingebrochen ist. Das ist der wohnungspolitische Kollaps.

Die Geschichte der Privatisierung: eine Warnung

Aber die Geschichte Bayerns ist noch älter und bitterer: Sie heißt GBW – Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Bayern. 2012 hat Bayern, genauer gesagt, das Bayrische Finanzministerium unter Finanzminister Markus Söder 33.000 Wohnungen -10.000 davon im Großraum München- an den Immobilien-Konzern Patrizia verkauft. Ein Millionencoup für die Rendite, ein Desaster für die Mieter*innen.

Die Begründung damals: Zwang der EU. Später stellte sich heraus und wird bis heute diskutiert, dass es möglicherweise auch ganz andere Lösungen gegeben hätte. Hätte man die Wohnungen in öffentlicher Hand halten können? Wahrscheinlich. Hätte Bayern dafür kämpfen sollen? Definitiv. Stattdessen ließ man Tausende Mieter*innen im Stich. Eine Rentnerin in München-Neuperlach bekam nach dem Verkauf vier Mieterhöhungen hintereinander und zahlt nun zwei Drittel ihrer Rente nur fürs Wohnen. Das ist nur eines von vielen Beispielen. Danke für Nichts, Herr Söder. Das ist die mietenpolitische Verantwortungslosigkeit, auf die die CSU stolz sein kann.

Erst Förderstopp, dann Rolle rückwärts – Söder kann keine Verlässlichkeit

2025 wurde erst ein Förderstopp verkündet, um anschließend nach riesiger Kritik eben diesen wieder aufzuheben. Der Branchenverband VdW Bayern hatte dadurch mitgeteilt, dass im Jahr 2025 maximal 3.000 Wohnungen fertiggestellt werden können. Dies nachdem die Zahlen im Jahr zuvor bereits um über 20 % auf 3.556 eingebrochen waren. Während Söder uns Berliner*innen vorwirft mit unseren Plänen den Volksentscheid Deutsche Wohnen und Co umzusetzen, die Wirtschaft zu verunsichern, bekommt er das mit seiner neoliberalen Politik für Bayern schon ganz alleine hin.

Berlin ist eine Mieter*innenstadt

Hier in Berlin haben die Menschen entschieden: Im September 2021 haben 59,1 Prozent der Menschen für die Enteignung von Deutsche Wohnen & Co gestimmt. Ein sehr eindeutiges Ergebnis und das über alle Parteien hinweg. Es war ein sehr deutlicher Auftrag. Und wir nehmen diesen Auftrag ernst!

Der Volksentscheid war eine klare Ansage: Wohnen ist zu wichtig, um es dem Markt zu überlassen. Wohnen ist ein Grundrecht, keine Spekulationsware.

Gemeinwohlorientierung statt Rendite

Während Bayern bzw. besser gesagt die CSU immer noch davon träumt, dass der Markt sich selbst reguliert (was München auf anschauliche Weise widerlegt), wollen wir in Berlin einen anderen Weg gehen: Den Wiener Weg. Den Weg hin zu einem gemeinwohlorientierten Wohnungsmarkt. Sprich, mindestens 60 % aller Wohnungen sollen gemeinwohlorientiert bewirtschaftet werden. Das ist ein System, in dem der Gewinn nicht bei großen Fonds landet, sondern bei den Menschen bleibt. Die Menschen, die hier leben, arbeiten und die diese Stadt ausmachen.

Und ja, das erfordert politischen Mut. Es erfordert eine Regierung die nicht vor der Immobilienwirtschaft buckelt. Aber genau das wollen wir. Genau das ist unsere Antwort auf die Mietenkrise.

Bezahlbare Kieze gibts nur mit bezahlbaren Gewerberäumen

Es gibt diesen Moment, wenn ich durch die Kieze gehe, durch Kreuzberg, durch Friedrichshain, durch Neukölln, und sehe, was passiert ist. Wo vor ein paar Jahren noch die Buchhandlung von nebenan war, sitzt jetzt eine Kaffee-Kette. Wo das Fahrradgeschäft mit dem legendären Service war, ist jetzt ein Spielautomaten-Casino. Und das Handwerk? Das Café? Der kleine Laden von der alten Dame? Alles weg.

Mein Motto war immer: „Haus für Haus – Mieter*innen schützen.“ Aber in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass dieses Motto eigentlich um „Kiezgewerbe erhalten“ erweitert werden muss, weil soviel schönes Kiezgewerbe verdrängt wurde, die Mieten sich verdreifachten oder danach die Läden jahrelang leerstehen. Deshalb haben wir einen Antrag ins Abgeordnetenhaus eingebracht, der endlich aufzeigt, dass Gewerbevertreibung nicht nur eine Gefühlssache ist. Das ist Stadtplanung. Das ist Politik. Und es braucht konkrete Antworten.

Die Zahlen sind extrem: Eine Verdopplung in 14 Jahren

Der Tagesspiegel hat vor Kurzem eine Datenrecherche veröffentlicht, die zeigt was viele schon lange merken: Die Gewerbemieten in Berlin haben sich seit 2010 nahezu verdoppelt. Von durchschnittlich 10 Euro auf knapp 20 Euro pro Quadratmeter. Das ist Strukturwandel, aber in die falsche Richtung.

Konkret bedeutet das: Wer 2010 in Neukölln für 1.000 Euro monatlich 119 Quadratmeter für ein Restaurant oder einen Laden mieten konnte, bekommt heute für denselben Betrag gerade noch 48 Quadratmeter. Das ist weniger als die Hälfte. Für viele Gewerbetreibende sind das keine Flächen mehr, auf denen sie wirtschaften oder gar existieren können.

Das Gesicht der Verdrängung: die Buchhandlung nebenan

Es geht um die Buchhandlung, die seit 20 Jahren an der Ecke stand und jetzt schließen muss. Um den Schuster, der die Schuhe repariert hat, während man wartet. Die Fahrradwerkstatt, wo man tatsächlich Rat bekam und nicht nur Massenware. Die Kinderläden, wo Erzieher*innen und Eltern sich kennen. Die Arztpraxen, die von ihrer Stelle nicht weg können, weil die Patientenschaft dort wohnt. Die sozialen Träger, die Beratungsstellen, die mit Mieterhöhungen von Vertragslaufzeit zu Vertragslaufzeit leben, immer in Angst vor der nächsten Rechnung.

Ich kämpfe nicht abstrakt für „bezahlbare Gewerbemieten“ sondern für die Menschen dahinter. Ich kämpfe für den Handwerksbetrieb der über Jahrzehnte seinen Kundenstamm aufgebaut hat und nicht einfach in eine billige Randlage ausweichen kann, ohne damit sein Geschäftsmodell zu zerstören. Ich kämpfe für die Kita, die plötzlich um ihre Existenz bangt, weil ein*e neue*r Eigentümer*in nach dem teuren Ankauf des Hauses auf neue Renditen setzt. Ich kämpfe für die Kieze die es nur gibt, weil Menschen dort arbeiten, sozial und kulturell zentrale Angebote machen und die Nachbarschaft gestalten.

Der Skandal: Während die Läden verschwinden, stehen 2 Millionen Quadratmeter leer.

Das Absurdeste an dieser Entwicklung ist: Fast 2 Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen in Berlin aktuell leer und trotzdem werden weiter neue, teure Büroflächen gebaut. Gleichzeitig fehlen uns dringend die günstigen Werkstätten, die Ladenflächen sowie die Räume für Kultur und soziale Infrastruktur.

Das ist reines Marktversagen. Eigentümer*innen spekulieren auf höhere zukünftige Renditen und lassen Flächen lieber leer stehen, als sie zu fairen Konditionen zu vermieten. Das ist Spekulation auf dem Rücken der Stadt.

Und während all das passiert steht die Politik daneben und sagt: „Ja, aber für Gewerbemieten können wir ja nichts machen.“ Das ist die große Lüge. Nein, es gibt kein Mitspracherecht der Gewerbetreibenden beim Mietpreis wie beim Wohnraum, weil das Gewerbemietrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch völlig ungeschützt ist. Und es gibt keinen Kündigungsschutz. Das ist eine politische Entscheidung und wir können sie ändern.

Unser Antrag: Konkrete Instrumente für den Kiez

Wir haben einen Antrag eingebracht, der zeigt, wie es geht. Dieser baut auf jahrelanger Arbeit auf, auf konkreten Fällen, auf dem, was andere Länder uns schon erfolgreich vormachen.

1. eine Bundesratsinitiative für ein soziales Gewerbemietrecht:

Frankreich und Österreich machen es vor. Ein Gewerbemietrecht, das Kiezstrukturen schützt. Eigentümer*innen dort können Verträge nicht ohne Entschädigung aus wirtschaftlichen Gründen kündigen. Das funktioniert dort seit Jahrzehnten. Das könnte in Berlin funktionieren, wenn der Senat endlich Druck machen würde.

Unsere Bundesratsinitiative von 2019 ist damals im im Bund an CDU und SPD gescheitert. Aber seitdem ist die Lage noch dramatischer geworden. Nicht nur in Berlin sondern in fast allen Innenstädten der Republik. Jetzt muss die neue Bundesregierung handeln und Berlin erneut Druck über den Bundesrat aufbauen.

Berliner Schutzmaßnahmen muss es auch auf Landesebene geben, denn wir können nicht auf die Bundesregierung warten. Auch da lässt sich mehr bewegen als die Koalition aus CDU und SPD zugibt.

2. Der Berliner Gewerbeatlas: Eine systematische, bezirksscharfe Erfassung von Gewerbeflächen, Mietpreisentwicklungen und Leerständen. Nur wenn wir wissen, wo die Probleme verortet sind, können wir gezielt schützen.

3. Stärkung des Vorkaufsrechts: Der Senat und die Bezirke müssen Instrumente haben, um in schutzwürdigen Lagen Vorkaufsrechte auszuüben und spekulativem Aufkauf entgegenzuwirken.

4. Gewerbehöfe 2.0 massiv ausbauen: Das Programm für bezahlbare Gewerbeflächen muss wachsen. Landeseigene Unternehmen müssen verpflichtet werden, beim Neubau einen festen Anteil an Gewerbeflächen dauerhaft zu sozialverträglichen Konditionen anzubieten. Zudem müssen sie faire, soziale Mietkonditionen für kleines Gewerbe anbieten, was sie leider oft nicht tun. Auch hier müssen sie mit der Kooperationsvereinbarung mehr in die Pflicht genommen werden.

5. Leerstandsabgabe für spekulativ leerstehende Gewerberäume: Wenn Fläche spekulativ leersteht, muss das Konsequenzen haben. Eigentum verpflichtet und es ist absurd, wenn Eigentümer*innen Leerstand abschreiben können und null finanziellen Druck haben, ihre Gewerberäume zu vermieten. Das wollen wir ändern.

6. Milieuschutz auch für Gewerbe: In Gebieten mit sozialen Erhaltungsverordnungen müssen wir die Schutzwirkung auf Gewerbenutzungen ausweiten, um Verdrängung durch Umwandlung zu verhindern.

7. Ein Berliner Gewerbemieten-Monitoring: für mehr Transparenz und auch um Handlungsempfehlungen für belastete Kieze geben zu können.

Es gibt nicht die eine Lösung, wir brauchen ganzen Instrumentenkasten. Auch die Beratung von Gewerbetreibenden wollen wir wieder einführen, nachdem Schwarz-Rot diese abgeschafft hat.

Manche werden jetzt sagen: „Das ist zu viel Eingriff in den Markt“. Nein. Es ist der Versuch, einen Markt zu retten, der nicht funktioniert. Wenn 2 Millionen Quadratmeter leer stehen, während Läden schließen müssen und die Kieze immer homogener werden und vor allem nicht mehr den Bedarfen der Bevölkerung entspricht, funktioniert der Markt nicht. Dann ist ein Eingriff zwingend notwendig, um die soziale Marktwirtschaft zu erhalten.

Andere Länder machen es uns vor. Frankreich macht es. Österreich macht es. Und Berlin sollte es auch machen.

Der Kampf um die Kieze ist der Kampf um Berlin

Mein Motto„Haus für Haus – Mieter*innen schützen, Kiezgewerbe erhalten“ bedeutet: Jede Einheit zählt. Jeder Laden. Jedes Handwerk. Jeder Kulturort. Nicht aus Nostalgie, sondern aus der Überzeugung, dass diese Berliner Mischung unsere Stadt und unsere Kieze lebenswert macht.

Berlins Stärke war immer genau diese Mischung: Wohnen und Gewerbe, Handwerk und Kultur, Bildung und Soziales – alles durcheinander, alles gewachsen, oft selbstorganisiert. Diese Mischung entsteht nicht von selbst. Sie muss politisch gewollt und aktiv geschützt werden.

Mit unserem Antrag legen wir fest: Wir wollen die Berliner Mischung schützen. Und das konkret. Mit Instrumenten, die funktionieren. Auch wenn es dicke Bretter sind, wir müssen endlich anfangen zu bohren!

Hier geht`s zum Antrag: https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/DruckSachen/d19-3390.pdf

Wohnungskataster: Wer besitzt unsere Kieze – und zu welchem Preis?

Berlins Wohnungsmarkt ist intransparent. Briefkastenfirmen, Fonds und Konzerne besitzen ganze Kieze, doch niemand weiß genau, wer dahintersteckt, was sie verlangen und wo Wohnungen leer stehen. Das muss sich endlich ändern. Dafür brauchen wir ein Berliner Wohnungs- und Mietenkataster.

Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Alle Berliner Wohnungen werden in einem zentralen, digitalen Register erfasst, mit Mietpreis, Ausstattung, Eigentümerstruktur, Leerstand und energetischem Zustand. In der Schweiz, in Dänemark und in Schweden gibt es solche Instrumente längst. Es wird Zeit, dass Berlin nachzieht.

Was fehlt: verlässliche Daten als Grundlage für gute Politik

Wir kritisieren seit Jahren, dass dem Senat eine belastbare und umfassende Datengrundlage zu Wohn- und Gewerbeflächen fehlt. Ohne verlässliche Zahlen ist wohnungspolitisches Handeln im Blindflug. Ein Miet- und Wohnungskataster schafft genau das: Transparenz über Eigentümerstrukturen, Mietentwicklungen und Leerstand und damit die Grundlage für effektiven Mieterschutz und eine gezielte Bekämpfung von Spekulation.

Mit einem solchen Kataster wird endlich sichtbar, wer in welchen Stadtteilen welche Immobilien besitzt und welche Briefkastenfirmen, Fonds und Konzerne dort Probleme verursachen. Leerstand, umgewandelte Eigentumswohnungen, bei denen Eigenbedarfskündigungen drohen, und auslaufende Mietpreisbindungen bei Sozialwohnungen müssen endlich adressscharf erfasst werden. Spekulativer Leerstand lässt sich so systematisch erfassen und sanktionieren. Und die Steuervermeidung großer Konzerne wird deutlich schwerer.

Der Senat hat Zeit verschwendet, wir nicht

Jahrelang versteckte sich der schwarz-rote Senat hinter der Ausrede, erst ein Bundeskataster abwarten zu wollen. Das war ein Fehler. Juristische Gutachten, die die Machbarkeit bestätigen, lagen dem Senat schon vor Jahren vor. Und jetzt, wo klar ist, dass die aktuelle Bundesregierung keinerlei Pläne verfolgt, ein solches Kataster einzurichten? Liegt der Ball wieder bei Berlin und wir sind bereit.

Spätestens seit 2018 hätten wir ein Wohnungskataster umsetzen können und müssen. Es ist leider immer an Rot und Rot gescheitert. Durch dieses Zögern sind wertvolle Jahre verloren gegangen.

Dass der Senat nun endlich unsere langjährige Forderung aufgreift und ein Wohnungskataster ankündigt, nehmen wir zur Kenntnis. Doch vom Bremser zum Vorkämpfer? Glaubwürdig geht anders. Jetzt als SPD ein Wohnungskataster anzukündigen, nachdem man das jahrelang selbst verschleppt hat, ist purer Opportunismus – zumal die SPD selbst weiß, dass es vom Beschluss bis zur tatsächlichen Umsetzung erheblicher Zeit bedarf. Das ist kein Projekt, das man kurz vor knapp angeht. Zumindest für die Behörden brauchen wir das Instrument endlich, um Mieter:innen besser schützen zu können.

Was unser Gesetzentwurf vorsieht

Wir Grüne meinen es ernst und bringen unseren Gesetzentwurf ins Abgeordnetenhaus ein. Das darin vorgesehene Landesamt für Wohnungswesen führt das Kataster, legt Eigentümerstrukturen offen und koordiniert die Durchsetzung von Mieter*innenrechten in ganz Berlin. Jede Berliner Wohnung bekommt eine eindeutige Ordnungsnummer. Das klingt technisch, ist aber der Schlüssel zu echter Markttransparenz.

Wohnungsunternehmen ab 50 Wohnungen werden zur Auskunft verpflichtet: zu Miethöhen, zur Vermietung als möbliert, teilmöbliert oder unmöbliert, zum Anteil der Sozialbestandswohnungen einschließlich Miethöhe, zu Leerstand, Eigenbedarfskündigungen und den wirtschaftlich Berechtigten dahinter. Wer Wohnungen besitzt, muss das sagen, vollständig und nachprüfbar.

Was wir damit erreichen wollen

  • Transparenz über Eigentümerstrukturen, inklusive der wirtschaftlich Berechtigten hinter Fonds und Briefkastenfirmen
  • Systematische Erfassung und Sanktionierung von spekulativem Leerstand und Zweckentfremdung
  • Erschwerung von Steuervermeidung großer Konzerne durch Transparenz
  • Gezielte Begrenzung von Mieterhöhungen als Grundlage für einen Mietendeckel 2.0

Ein Wohnungskataster ist kein bürokratischer Selbstzweck. Es ist ein zentrales Instrument gegen Immobilienspekulation und längst überfällig. Der Senat hat mit seiner Tatenlosigkeit dazu beigetragen, dass Missstände auf dem Berliner Wohnungsmarkt weiterhin im Dunkeln bleiben. Das ändert sich jetzt – mit uns.