Eine progressive Regierung ist möglich – aber kein Selbstläufer!

Wir haben die Schnauze voll. Voll von Rollback und sozialer Kälte. Voll von einem rechten Kulturkampf, der unsere Stadt spaltet. Voll von Großprojekten, die am Ende die Berliner*innen teuer zu stehen kommen, während gleichzeitig bei sozialer Infrastruktur, bei Kitas, bei Stadtteilzentren und bei bezahlbaren Wohnungen gespart wird. Das ist nicht die Politik, die wir in Berlin brauchen. Das ist nicht die Politik, die wir in Berlinwollen.

Wir kämpfen für eine bezahlbare, weltoffene, liberale und klimagerechte Stadt. Für eine Stadt, in der Menschen nicht verdrängt werden, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. Für eine Stadt, in der der Kiez noch etwas bedeutet. als gelebter Ort von Nachbarschaft, Vielfalt und Solidarität. Das ist mit einer CDU, die Wohnungspolitik dem Markt überlässt und soziale Gerechtigkeit als Luxus behandelt, nicht zu machen.

Deshalb habe ich eine Veranstaltung organisiert, bei der wir gemeinsam und konkret diskutiert haben: Was muss eine mögliche Regierung aus Grünen, Linken und SPD nach 2026 anpacken? Denn diese Frage ist keine akademische. Sie ist politisch. Und sie ist dringend.

Was muss sich ändern und wie?

Wie werden Mieten wieder bezahlbar? Wie schaffen wir es, dass niemand aus seinem Kiez verdrängt wird, weder durch explodierende Mieten noch durch Luxussanierung oder Eigenbedarfskündigungen?

Welche Instrumente brauchen wir wirklich, um Verdrängung zu stoppen? Ein Mietendeckel allein reicht nicht. Es braucht ein Bündel an Maßnahmen: die Umsetzung des Volksentscheids DW und Co. Enteignen, stärkere Milieuschutzgebiete mit echten Zähnen, konsequente Vorkaufsrechte, einen wachsenden gemeinwohlorientierten Wohnungssektor und die Rückgewinnung landeseigener Flächen für sozialen Wohnungsbau.

Wie schützen wir soziale Infrastruktur, Kiezläden und Gemeinschaftsorte, jene Orte, die das Leben im Kiez ausmachen, die aber zunehmend durch steigende Gewerbemieten verschwinden? Hier braucht es endlich einen Mietendeckel für Gewerbe und verbindliche Regeln für die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Wie schaffen wir eine soziale Klima- und Wärmewende, die nicht auf dem Rücken einkommensschwacher Mieter*innen ausgetragen wird, sondern gerecht gestaltet ist? Klimaschutz und sozialer Ausgleich müssen zusammengedacht werden, nicht gegeneinander ausgespielt.

Lernen aus der Vergangenheit

Welche Lehren können und müssen wir aus der letzten Rot-Grün-Roten Koalition ziehen? Es gab Erfolge, aber es gab auch Misserfolge. Beides müssen wir ehrlich benennen. Wir haben den Mietendeckel erkämpft und ihn leider durch das Bundesverfassungsgericht verloren. Wir haben mehr Vorkaufsrechte genutzt. Wir haben angefangen, gemeinwohlorientierte Strukturen zu stärken. Aber wir haben auch gemerkt, wie schwierig es ist, in einer Koalition wirklich gemeinsam zu regieren, wenn Ziele und Instrumente nicht klar genug vereinbart sind, wenn Koalitionsverträge zu vage bleiben, wenn der Druck von außen fehlt.

Das darf sich nicht wiederholen. Daher müssen wir schon jetzt klären: Welche konkreten Instrumente müsste eine neue Koalition vereinbaren? Welche Mechanismen braucht es, damit aus Wahlversprechen wirklich Regierungshandeln wird? Und wie finanzieren wir unsere Vorhaben?

Berlin braucht einen Neustart: grün, sozial und gerecht.

Das sind keine abstrakten Zukunftsszenarien. Das sind ganz konkrete politische Entscheidungen, die in den nächsten Jahren getroffen werden. Und wir müssen jetzt anfangen, sie vorzubereiten.

Diese Veranstaltung soll der Auftakt gewesen sein, nicht der Abschluss. Denn wir brauchen mehr solcher Gesprächsformate: offen, ehrlich, mit Menschen aus den Kiezen, mit Mieter*innen, mit Gewerbetreibenden, mit Aktivist*innen, mit all jenen, die diese Stadt jeden Tag mit Leben füllen. Das war auch das klare Feedback der anwesenden Bürger*innen und das nehme ich ernst.

Ein großes Dankeschön an alle, die dabei waren und mitdiskutiert haben. Besonders danke ich Annika Klose, Tobias Schulze und Franziska Brychcy für ihre engagierte Teilnahme und ihre ehrlichen Einschätzungen. Solche Gespräche, über Parteigrenzen hinweg, mit geteilter Analyse und dem gemeinsamen Willen zur Veränderung, sind es, die unsere Politik wirklich voranbringen können.

Und danke an unsere herzliche Gastgeberin, die Gelbe Villa in Kreuzberg ein wunderbarer Ort der genau die Ideal die wir brauchen vor Ort vor lebt!

Stellenausschreibung

Unterstützung der Social Media Arbeit im Büro von Katrin Schmidberger, MdA,
Sprecherin für Wohnen und Mieten von Bündnis 90/die Grünen im Abgeordnetenhaus zu
Berlin

Ich suche ab Mitte Juni 2026 für 8h/Woche eine*n studentische*n Mitarbeiter*in (w/m/d) für die Unterstützung meiner Social Media Arbeit.

Zu deinen Aufgaben gehören:

  • Entwicklung und Umsetzung kreativer Konzepte für Videoinhalte
  • Aufnahme, Schnitt und Bearbeitung von Videomaterial
  • Betreuung meines Instagram- und TikTok-Accounts
  • Aufbau einer Bilddatenbank

(Optimale) Voraussetzungen:

  • Immatrikulation in einem politik-, kommunikations-, geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studienfach
  • Kenntnisse in gängigen Grafik-, Layout- und Video-Tools wie Canva, InDesign, Gimp, CapCut o. ä.
  • schnelle Auffassungsgabe, Kommunikationsfähigkeit und Kontaktfreude
  • strukturierte, eigenständige Arbeitsweise
  • Kenntnisse im Umgang mit Instagram und TikTok
  • Flexibilität, Belastbarkeit und Teamfähigkeit
  • Interesse an und Kenntnis von aktuellen wohnungs- und mietenpolitischen Themen in Berlin
  • Verbundenheit mit Grünen Werten und Grüner Politik

Dafür biete ich dir:

  • faire Vergütung (17€/h)
  • flexible Arbeitszeiten
  • bei Bedarf einen Arbeitslaptop
  • abwechslungsreiche Tätigkeit in einem spannenden Umfeld
  • Einblicke in die Parlamentsarbeit und die Berliner Landespolitik
  • ein nettes, hilfsbereites und motiviertes Team mit flachen Hierarchien

Bewerbungsunterlagen (ohne Foto) und Kontaktaufnahme bitte per E-Mail bis 30. Mai 2026: buero.schmidberger@gruene-fraktion.berlin

Tote Schwäne und Wasservögel im Landwehrkanal – der Senat muss Wasservögel besser schützen

Das Sterben der Schwäne und allgemein der Wasservögel im Landwehrkanal hat viele Menschen traurig bewegt – auch mich. Über einen längeren Zeitraum wurden immer wieder sterbende oder tote Tiere entdeckt, die zuständigen Behörden blieben jedoch teils untätig. Die Menschen, die helfen wollten, fühlten sich ohnmächtig und waren verzweifelt.

Deshalb habe ich den Senat sowohl im zuständigen Ausschuss als auch mit einer schriftlichen Anfrage um Auskunft gebeten. Die Antworten zeigen jedoch vor allem eines: Viele zentrale Fragen bleiben offen.

So gibt es bereits keine verlässliche Gesamtzahl der verendeten Tiere. Die Bezirke Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Reinickendorf melden insgesamt 270 verstorbene Wasservögel. Der Senat selbst konnte oder wollte keine Zahlen vorlegen. Auch beim Landwehrkanal selbst bleibt die Datenlage ungenau. Eine klare Gesamtübersicht und Zuordnung fehlt.

Ursachen komplexer als von Senatorin Bonde dargestellt

Als wir Senatorin Bonde im Ausschuss befragt haben, hat sie fast ausschließlich über die Vogelgrippe als Ursache für das Sterben der Tiere gesprochen. Die Antworten des Senats in meiner Anfrage zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: Von den insgesamt 520 getesteten toten Wildvögeln wurde lediglich bei rund jedem fünften Tier die Vogelgrippe festgestellt.

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Witterung und die Qualität des Landwehrkanals eine große Rolle gespielt haben. Doch genau hier, wo der Senat tatsächlich Handlungsspielraum hat, sind die Antworten unzureichend. Auf unsere Frage, was der Senat zu tun gedenkt, um den Lebensraum Landwehrkanal wildvogelfreundlicher zu gestalten und Schwäne sowie andere Vögel besser zu schützen, bleibt er eine inhaltliche Antwort schuldig.

Was daraus folgen sollte

Aus meiner Sicht braucht es Konsequenzen, um in Zukunft besser vorbereitet zu sein und ein Sterben in diesem Ausmaß zu verhindern:

  • ein früheres und koordinierteres Handeln
  • klarere Zuständigkeiten und bessere Ausstattung für Bergungen
  • eine stärkere Unterstützung von Einrichtungen wie der Wildvogelstation des NABU, die bisher keine Wasservögel am Berliner Standort aufnehmen können.
  • mehr Aufmerksamkeit für den Schutz von Wasservögeln und ihren Lebensräumen
  • den Landwehrkanal als Lebensort von Wasser/Wildvögeln anerkennen und dort für gesunde Lebensverhältnisse sorgen, denn die Tiere leiden das ganze Jahr an schlechten Umwelteinflüssen, Klimawandel und schlechter Wasserqualität.

Kiezgewerbe erhalten – Mietendeckel für Gewerbe jetzt!

Die Entwicklung der Gewerbemieten – nicht nur in Berlin – ist alarmierend. Was wir seit Jahren in den Kiezen beobachten, lässt sich inzwischen auch klar belegen: Immer mehr kleine Läden verschwinden, soziale Infrastruktur wird verdrängt und Monostrukturen breiten sich aus. Wenn die durchschnittlichen Gewerbemieten seit 2010 um über 130 Prozent gestiegen sind, ist das kein normaler Markt mehr sondern Marktversagen.

Handwerksbetriebe, soziale Einrichtungen, Kitas oder kleine Einzelhändler*innen können mit dieser Mietpreisspirale schlicht nicht mithalten. Gleichzeitig sind Gewerbemieter*innen nahezu schutzlos: Es gibt weder eine wirksame Mietregulierung noch einen ausreichenden Kündigungsschutz. Für viele Betriebe bedeutet das ein Leben von Vertragsverlängerung zu Vertragsverlängerung und die ständige Angst vor Verdrängung.

Marktversagen sichtbar: Leerstand trotz Flächenknappheit

Besonders deutlich wird das Versagen des Marktes beim Blick auf den Leerstand: Rund 1,8 Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen in Berlin leer. Weiter gebaut wird trotzdem. Statt bedarfsgerecht zu planen, entstehen neue, oft überteuerte Büroflächen, während Räume für dringend benötigte Nutzungen fehlen: für Handwerk, soziale Infrastruktur oder bezahlbare Wohnungen.

Meine parlamentarische Anfrage zeigt, dass Leerstand nicht konsequent erfasst und gesteuert wird. Häufig stehen Flächen leer, weil Eigentümer*innen auf höhere Renditen spekulieren, auf Kosten der Stadtgesellschaft. Das können wir uns nicht länger leisten.

Es geht um die Versorgung der Stadt

Die Verdrängung betrifft nicht nur einzelne Geschäfte. Es geht um die Grundversorgung der Berliner*innen: um Ärzt*innen, Kitas, soziale Dienste, Handwerksbetriebe und kleine Läden. Sie alle sind Teil der Berliner Mischung und unverzichtbar für funktionierende Kieze.

Wenn diese Strukturen verschwinden, hat das konkrete Folgen: längere Wege, schlechtere Versorgung, weniger Lebensqualität. Eine Stadt, in der man für jede Dienstleistung quer durch die Stadt fahren muss, ist keine soziale Stadt.

Reform des Gewerbemietrechts überfällig

Deshalb braucht es dringend eine Reform des Gewerbemietrechts auf Bundesebene. Bereits 2019 haben wir als rot-grün-rote Koalition eine Bundesratsinitiative gestartet. Unser Ziel: mehr Schutz für Gewerbemieter*innen, orientiert an Ländern wie Frankreich, wo Kündigungen aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht ohne Weiteres möglich sind oder entschädigt werden müssen.

Obwohl eine Mehrheit der Bundesländer zustimmte, scheiterte die Initiative an der Bundesregierung aus CDU und SPD. Das darf sich nicht wiederholen. Wir brauchen einen neuen Anlauf, damit Länder und Kommunen in angespannten Märkten endlich die Möglichkeit bekommen, Gewerbemieten zu regulieren. Durch eine Mietpreisbremse oder einen Mietendeckel für kleines Gewerbe.

Berlin nutzt eigene Spielräume nicht

Doch auch auf Landesebene passiert zu wenig. Der Berliner Senat nutzt vorhandene Instrumente nicht konsequent. Gerade die landeseigenen Wohnungsunternehmen müssen ihrem sozialen Auftrag endlich auch beim Gewerbe gerecht werden. Stattdessen kommt es immer wieder vor, dass auch sie kleinen Läden kündigen, um höhere Mieten zu erzielen.

Deshalb brauchen wir verbindliche Regeln: in der Kooperationsvereinbarung mit den landeseigenen Unternehmen und im Wohnraumversorgungsgesetz. Gewerberäume müssen prioritär an soziale Träger und verdrängtes Kiezgewerbe vergeben werden.

Mehr kommunale Flächen und bessere Nutzung

Zusätzlich braucht es neue Instrumente für eine aktive Gewerbepolitik:

  • mehr kommunale Gewerbehöfe, um Handwerk und Produktion in der Stadt zu sichern
  • gezielte Ankäufe und Umnutzungen von Flächen
  • bessere Konzepte für Zwischen- und Mehrfachnutzung, um Leerstand zu vermeiden

Der Aufbau kommunaler Strukturen ist entscheidend, um sich unabhängiger vom renditegetriebenen Markt zu machen.

Für eine echte Gewerbestrategie

Berlin braucht endlich eine landesweite Gewerbestrategie und ein soziales Gewerbemietrecht auf Bundesebene. Nur wenn Bund und Land gemeinsam handeln, können wir Räume für Handwerk, soziale Infrastruktur und kleine Läden dauerhaft sichern.

Die Berliner Mischung entsteht nicht von allein. Sie muss politisch gewollt und geschützt werden. Wer will, dass unsere Kieze lebendig, vielfältig und sozial bleiben, darf beim Gewerbe nicht länger zuschauen sondern muss handeln.