Wohnungskataster: Wer besitzt unsere Kieze – und zu welchem Preis?

Berlins Wohnungsmarkt ist intransparent. Briefkastenfirmen, Fonds und Konzerne besitzen ganze Kieze, doch niemand weiß genau, wer dahintersteckt, was sie verlangen und wo Wohnungen leer stehen. Das muss sich endlich ändern. Dafür brauchen wir ein Berliner Wohnungs- und Mietenkataster.

Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Alle Berliner Wohnungen werden in einem zentralen, digitalen Register erfasst, mit Mietpreis, Ausstattung, Eigentümerstruktur, Leerstand und energetischem Zustand. In der Schweiz, in Dänemark und in Schweden gibt es solche Instrumente längst. Es wird Zeit, dass Berlin nachzieht.

Was fehlt: verlässliche Daten als Grundlage für gute Politik

Wir kritisieren seit Jahren, dass dem Senat eine belastbare und umfassende Datengrundlage zu Wohn- und Gewerbeflächen fehlt. Ohne verlässliche Zahlen ist wohnungspolitisches Handeln im Blindflug. Ein Miet- und Wohnungskataster schafft genau das: Transparenz über Eigentümerstrukturen, Mietentwicklungen und Leerstand und damit die Grundlage für effektiven Mieterschutz und eine gezielte Bekämpfung von Spekulation.

Mit einem solchen Kataster wird endlich sichtbar, wer in welchen Stadtteilen welche Immobilien besitzt und welche Briefkastenfirmen, Fonds und Konzerne dort Probleme verursachen. Leerstand, umgewandelte Eigentumswohnungen, bei denen Eigenbedarfskündigungen drohen, und auslaufende Mietpreisbindungen bei Sozialwohnungen müssen endlich adressscharf erfasst werden. Spekulativer Leerstand lässt sich so systematisch erfassen und sanktionieren. Und die Steuervermeidung großer Konzerne wird deutlich schwerer.

Der Senat hat Zeit verschwendet, wir nicht

Jahrelang versteckte sich der schwarz-rote Senat hinter der Ausrede, erst ein Bundeskataster abwarten zu wollen. Das war ein Fehler. Juristische Gutachten, die die Machbarkeit bestätigen, lagen dem Senat schon vor Jahren vor. Und jetzt, wo klar ist, dass die aktuelle Bundesregierung keinerlei Pläne verfolgt, ein solches Kataster einzurichten? Liegt der Ball wieder bei Berlin und wir sind bereit.

Spätestens seit 2018 hätten wir ein Wohnungskataster umsetzen können und müssen. Es ist leider immer an Rot und Rot gescheitert. Durch dieses Zögern sind wertvolle Jahre verloren gegangen.

Dass der Senat nun endlich unsere langjährige Forderung aufgreift und ein Wohnungskataster ankündigt, nehmen wir zur Kenntnis. Doch vom Bremser zum Vorkämpfer? Glaubwürdig geht anders. Jetzt als SPD ein Wohnungskataster anzukündigen, nachdem man das jahrelang selbst verschleppt hat, ist purer Opportunismus – zumal die SPD selbst weiß, dass es vom Beschluss bis zur tatsächlichen Umsetzung erheblicher Zeit bedarf. Das ist kein Projekt, das man kurz vor knapp angeht. Zumindest für die Behörden brauchen wir das Instrument endlich, um Mieter:innen besser schützen zu können.

Was unser Gesetzentwurf vorsieht

Wir Grüne meinen es ernst und bringen unseren Gesetzentwurf ins Abgeordnetenhaus ein. Das darin vorgesehene Landesamt für Wohnungswesen führt das Kataster, legt Eigentümerstrukturen offen und koordiniert die Durchsetzung von Mieter*innenrechten in ganz Berlin. Jede Berliner Wohnung bekommt eine eindeutige Ordnungsnummer. Das klingt technisch, ist aber der Schlüssel zu echter Markttransparenz.

Wohnungsunternehmen ab 50 Wohnungen werden zur Auskunft verpflichtet: zu Miethöhen, zur Vermietung als möbliert, teilmöbliert oder unmöbliert, zum Anteil der Sozialbestandswohnungen einschließlich Miethöhe, zu Leerstand, Eigenbedarfskündigungen und den wirtschaftlich Berechtigten dahinter. Wer Wohnungen besitzt, muss das sagen, vollständig und nachprüfbar.

Was wir damit erreichen wollen

  • Transparenz über Eigentümerstrukturen, inklusive der wirtschaftlich Berechtigten hinter Fonds und Briefkastenfirmen
  • Systematische Erfassung und Sanktionierung von spekulativem Leerstand und Zweckentfremdung
  • Erschwerung von Steuervermeidung großer Konzerne durch Transparenz
  • Gezielte Begrenzung von Mieterhöhungen als Grundlage für einen Mietendeckel 2.0

Ein Wohnungskataster ist kein bürokratischer Selbstzweck. Es ist ein zentrales Instrument gegen Immobilienspekulation und längst überfällig. Der Senat hat mit seiner Tatenlosigkeit dazu beigetragen, dass Missstände auf dem Berliner Wohnungsmarkt weiterhin im Dunkeln bleiben. Das ändert sich jetzt – mit uns.

Eine progressive Regierung ist möglich – aber kein Selbstläufer!

Wir haben die Schnauze voll. Voll von Rollback und sozialer Kälte. Voll von einem rechten Kulturkampf, der unsere Stadt spaltet. Voll von Großprojekten, die am Ende die Berliner*innen teuer zu stehen kommen, während gleichzeitig bei sozialer Infrastruktur, bei Kitas, bei Stadtteilzentren und bei bezahlbaren Wohnungen gespart wird. Das ist nicht die Politik, die wir in Berlin brauchen. Das ist nicht die Politik, die wir in Berlinwollen.

Wir kämpfen für eine bezahlbare, weltoffene, liberale und klimagerechte Stadt. Für eine Stadt, in der Menschen nicht verdrängt werden, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. Für eine Stadt, in der der Kiez noch etwas bedeutet. als gelebter Ort von Nachbarschaft, Vielfalt und Solidarität. Das ist mit einer CDU, die Wohnungspolitik dem Markt überlässt und soziale Gerechtigkeit als Luxus behandelt, nicht zu machen.

Deshalb habe ich eine Veranstaltung organisiert, bei der wir gemeinsam und konkret diskutiert haben: Was muss eine mögliche Regierung aus Grünen, Linken und SPD nach 2026 anpacken? Denn diese Frage ist keine akademische. Sie ist politisch. Und sie ist dringend.

Was muss sich ändern und wie?

Wie werden Mieten wieder bezahlbar? Wie schaffen wir es, dass niemand aus seinem Kiez verdrängt wird, weder durch explodierende Mieten noch durch Luxussanierung oder Eigenbedarfskündigungen?

Welche Instrumente brauchen wir wirklich, um Verdrängung zu stoppen? Ein Mietendeckel allein reicht nicht. Es braucht ein Bündel an Maßnahmen: die Umsetzung des Volksentscheids DW und Co. Enteignen, stärkere Milieuschutzgebiete mit echten Zähnen, konsequente Vorkaufsrechte, einen wachsenden gemeinwohlorientierten Wohnungssektor und die Rückgewinnung landeseigener Flächen für sozialen Wohnungsbau.

Wie schützen wir soziale Infrastruktur, Kiezläden und Gemeinschaftsorte, jene Orte, die das Leben im Kiez ausmachen, die aber zunehmend durch steigende Gewerbemieten verschwinden? Hier braucht es endlich einen Mietendeckel für Gewerbe und verbindliche Regeln für die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.

Wie schaffen wir eine soziale Klima- und Wärmewende, die nicht auf dem Rücken einkommensschwacher Mieter*innen ausgetragen wird, sondern gerecht gestaltet ist? Klimaschutz und sozialer Ausgleich müssen zusammengedacht werden, nicht gegeneinander ausgespielt.

Lernen aus der Vergangenheit

Welche Lehren können und müssen wir aus der letzten Rot-Grün-Roten Koalition ziehen? Es gab Erfolge, aber es gab auch Misserfolge. Beides müssen wir ehrlich benennen. Wir haben den Mietendeckel erkämpft und ihn leider durch das Bundesverfassungsgericht verloren. Wir haben mehr Vorkaufsrechte genutzt. Wir haben angefangen, gemeinwohlorientierte Strukturen zu stärken. Aber wir haben auch gemerkt, wie schwierig es ist, in einer Koalition wirklich gemeinsam zu regieren, wenn Ziele und Instrumente nicht klar genug vereinbart sind, wenn Koalitionsverträge zu vage bleiben, wenn der Druck von außen fehlt.

Das darf sich nicht wiederholen. Daher müssen wir schon jetzt klären: Welche konkreten Instrumente müsste eine neue Koalition vereinbaren? Welche Mechanismen braucht es, damit aus Wahlversprechen wirklich Regierungshandeln wird? Und wie finanzieren wir unsere Vorhaben?

Berlin braucht einen Neustart: grün, sozial und gerecht.

Das sind keine abstrakten Zukunftsszenarien. Das sind ganz konkrete politische Entscheidungen, die in den nächsten Jahren getroffen werden. Und wir müssen jetzt anfangen, sie vorzubereiten.

Diese Veranstaltung soll der Auftakt gewesen sein, nicht der Abschluss. Denn wir brauchen mehr solcher Gesprächsformate: offen, ehrlich, mit Menschen aus den Kiezen, mit Mieter*innen, mit Gewerbetreibenden, mit Aktivist*innen, mit all jenen, die diese Stadt jeden Tag mit Leben füllen. Das war auch das klare Feedback der anwesenden Bürger*innen und das nehme ich ernst.

Ein großes Dankeschön an alle, die dabei waren und mitdiskutiert haben. Besonders danke ich Annika Klose, Tobias Schulze und Franziska Brychcy für ihre engagierte Teilnahme und ihre ehrlichen Einschätzungen. Solche Gespräche, über Parteigrenzen hinweg, mit geteilter Analyse und dem gemeinsamen Willen zur Veränderung, sind es, die unsere Politik wirklich voranbringen können.

Und danke an unsere herzliche Gastgeberin, die Gelbe Villa in Kreuzberg ein wunderbarer Ort der genau die Ideal die wir brauchen vor Ort vor lebt!

Kiezgewerbe erhalten – Mietendeckel für Gewerbe jetzt!

Die Entwicklung der Gewerbemieten – nicht nur in Berlin – ist alarmierend. Was wir seit Jahren in den Kiezen beobachten, lässt sich inzwischen auch klar belegen: Immer mehr kleine Läden verschwinden, soziale Infrastruktur wird verdrängt und Monostrukturen breiten sich aus. Wenn die durchschnittlichen Gewerbemieten seit 2010 um über 130 Prozent gestiegen sind, ist das kein normaler Markt mehr sondern Marktversagen.

Handwerksbetriebe, soziale Einrichtungen, Kitas oder kleine Einzelhändler*innen können mit dieser Mietpreisspirale schlicht nicht mithalten. Gleichzeitig sind Gewerbemieter*innen nahezu schutzlos: Es gibt weder eine wirksame Mietregulierung noch einen ausreichenden Kündigungsschutz. Für viele Betriebe bedeutet das ein Leben von Vertragsverlängerung zu Vertragsverlängerung und die ständige Angst vor Verdrängung.

Marktversagen sichtbar: Leerstand trotz Flächenknappheit

Besonders deutlich wird das Versagen des Marktes beim Blick auf den Leerstand: Rund 1,8 Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen in Berlin leer. Weiter gebaut wird trotzdem. Statt bedarfsgerecht zu planen, entstehen neue, oft überteuerte Büroflächen, während Räume für dringend benötigte Nutzungen fehlen: für Handwerk, soziale Infrastruktur oder bezahlbare Wohnungen.

Meine parlamentarische Anfrage zeigt, dass Leerstand nicht konsequent erfasst und gesteuert wird. Häufig stehen Flächen leer, weil Eigentümer*innen auf höhere Renditen spekulieren, auf Kosten der Stadtgesellschaft. Das können wir uns nicht länger leisten.

Es geht um die Versorgung der Stadt

Die Verdrängung betrifft nicht nur einzelne Geschäfte. Es geht um die Grundversorgung der Berliner*innen: um Ärzt*innen, Kitas, soziale Dienste, Handwerksbetriebe und kleine Läden. Sie alle sind Teil der Berliner Mischung und unverzichtbar für funktionierende Kieze.

Wenn diese Strukturen verschwinden, hat das konkrete Folgen: längere Wege, schlechtere Versorgung, weniger Lebensqualität. Eine Stadt, in der man für jede Dienstleistung quer durch die Stadt fahren muss, ist keine soziale Stadt.

Reform des Gewerbemietrechts überfällig

Deshalb braucht es dringend eine Reform des Gewerbemietrechts auf Bundesebene. Bereits 2019 haben wir als rot-grün-rote Koalition eine Bundesratsinitiative gestartet. Unser Ziel: mehr Schutz für Gewerbemieter*innen, orientiert an Ländern wie Frankreich, wo Kündigungen aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht ohne Weiteres möglich sind oder entschädigt werden müssen.

Obwohl eine Mehrheit der Bundesländer zustimmte, scheiterte die Initiative an der Bundesregierung aus CDU und SPD. Das darf sich nicht wiederholen. Wir brauchen einen neuen Anlauf, damit Länder und Kommunen in angespannten Märkten endlich die Möglichkeit bekommen, Gewerbemieten zu regulieren. Durch eine Mietpreisbremse oder einen Mietendeckel für kleines Gewerbe.

Berlin nutzt eigene Spielräume nicht

Doch auch auf Landesebene passiert zu wenig. Der Berliner Senat nutzt vorhandene Instrumente nicht konsequent. Gerade die landeseigenen Wohnungsunternehmen müssen ihrem sozialen Auftrag endlich auch beim Gewerbe gerecht werden. Stattdessen kommt es immer wieder vor, dass auch sie kleinen Läden kündigen, um höhere Mieten zu erzielen.

Deshalb brauchen wir verbindliche Regeln: in der Kooperationsvereinbarung mit den landeseigenen Unternehmen und im Wohnraumversorgungsgesetz. Gewerberäume müssen prioritär an soziale Träger und verdrängtes Kiezgewerbe vergeben werden.

Mehr kommunale Flächen und bessere Nutzung

Zusätzlich braucht es neue Instrumente für eine aktive Gewerbepolitik:

  • mehr kommunale Gewerbehöfe, um Handwerk und Produktion in der Stadt zu sichern
  • gezielte Ankäufe und Umnutzungen von Flächen
  • bessere Konzepte für Zwischen- und Mehrfachnutzung, um Leerstand zu vermeiden

Der Aufbau kommunaler Strukturen ist entscheidend, um sich unabhängiger vom renditegetriebenen Markt zu machen.

Für eine echte Gewerbestrategie

Berlin braucht endlich eine landesweite Gewerbestrategie und ein soziales Gewerbemietrecht auf Bundesebene. Nur wenn Bund und Land gemeinsam handeln, können wir Räume für Handwerk, soziale Infrastruktur und kleine Läden dauerhaft sichern.

Die Berliner Mischung entsteht nicht von allein. Sie muss politisch gewollt und geschützt werden. Wer will, dass unsere Kieze lebendig, vielfältig und sozial bleiben, darf beim Gewerbe nicht länger zuschauen sondern muss handeln.

Kostenfreie Mieter*innenberatung –  Ausbau in den kommenden Monaten notwendig

Auch wenn der Mieter*innenschutz oft zu lax ist, muss man seine Rechte erst kennen, um sie wahrnehmen zu können. Daher hatte ich unter Rot-Grün-Rot eine kostenfreie Mieter*innenberatung erst im Koalitionsvertrag und dann in den Haushaltsberatungen durchgesetzt. Nach dem Vorbild von Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow war es uns wichtig, dass alle Mieter*innen und nicht nur die, die in Milieuschutzgebieten leben, beraten werden. Seitdem gibt es in jedem Bezirk 2-4 kostenfreie Anlaufstellen, die vom Land bezahlt werden und die Ihr nutzen könnt bei Fragen rund um Mieterhöhungen und Co.

Immerhin dieses Mieterschutz-Instrument hat Schwarz-Rot nicht abgeschafft nachdem eine „Evaluierung“ angekündigt wurde. Jedoch wurde hier mehrfach von den Beratungsstellen angemahnt, dass „in den Monaten zum Jahresende und zu Jahresbeginn die Beratungstätigkeit jedoch um zusätzliche Stunden aufgestockt werden sollte dieser Bedarf ist durch den erhöhten Aufwand und Arbeitsanfall in Folge der zu prüfenden Betriebskostenabrechnungen begründet.“ Es wäre also wichtig, die Kapazitäten angesichts des Winters und der Betriebs- und Heizkostenabrechnungen jetzt in den kommenden Monaten zu erhöhen.

Hier findet ihr die Anfrage: https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-20453.pdf

Hier geht es zu den Beratungsstellen in Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow/Prenzlauer Berg:

Asum GgmbH: https://www.asum-berlin.de/mieterberatung/

Gesoplan GgmbH: https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-soziales/stadtteil-und-seniorenangebote/gesoplan-mieterberatung-flyer-fx2023-002.pdf?ts=1699574410

https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-buergerdienste/wohnungsamt/artikel.579092.php